Wie wurde aus einer Warehouse-Party ein 18-Stunden-Festival?
ÄGAPĒ war nicht als Festivalmarke gedacht. Das Brooklyner Kollektiv machte sich mit Warehouse-Partys für New Yorks Hard-Techno- und Schranz-Fans einen Namen, jene, die etwas Roheres suchten als die glatteren EDM-Locations im Viertel. Am vergangenen Wochenende richtete es sein erstes echtes Festival aus: zwei Tage, der 5. und 6. September 2026, im Industry City, mit 34 Acts, verteilt auf einen Außenhof und eine Indoor-Warehouse-Bühne, jede mit rund 18 Stunden Programm pro Tag.
Gründer Andrés Daza, der als Junkfile auflegt, beschrieb den Sprung in der Größenordnung als Treue, die zurückgezahlt wird, nicht als Wende Richtung Mainstream, und sagte Resident Advisor, die Veranstaltung sei für diejenigen gedacht, die ÄGAPĒ von Anfang an unterstützt hätten. Der Samstag behielt den DIY-Geist auch in Festivalgröße bei: eine 360-Grad-Bühne namens «Face 2 Face», bei der Acts paarweise statt solo auflegten, näher an einem Rave-Ritual als an einer klassischen Festival-Rotation.
Warum zählt es, dass ein Berliner Label den Atlantik überquert?
Der Sonntag gehörte 44 Label Group. Das Berliner Label bekam nicht einfach nur einen Slot: Es übernahm die gesamte Tagesbühne und schloss sie mit einem von Kobosil geführten Back-to-Back-Set ab, dem Produzenten, dessen Name untrennbar mit dem Hard-Techno-Sound verbunden ist, den 44 aus Berlin heraus mitgeprägt hat. Eine komplette Bühnenübernahme wiegt anders als eine simple Buchung: Sie ist 44s Bestätigung, dass ÄGAPĒ diesen Sound zu eigenen Bedingungen und vor eigenem Publikum tragen kann.
«Diese Veranstaltung ist für die Leute, die von Anfang an für uns da waren.»
Diese Bestätigung zählt, weil Brooklyns Hard-Techno-Underground und die kommerzielle EDM-Szene seit Jahren in entgegengesetzte Richtungen ziehen, und die härtere Seite bekommt selten eine Bühne in Festivalgröße, um ihren Anspruch zu untermauern. Dass ein angesehenes Berliner Label sein eigenes Programm auf ein Brooklyner Line-up setzt, ist genau die Art von Anerkennung, die diese Szene sonst kaum bekommt.
Was bedeutet das für New Yorks Hard-Techno-Szene?
Von Warehouse-Partys auf ein 18-Stunden-Festival mit zwei Tagen und 34 Acts an einem echten Veranstaltungsort in einem Sprung zu wechseln ist die Art von Wachstum, die eine Szene meist genau um das bringt, was sie ausgemacht hat. Dass ÄGAPĒ das Face-2-Face-Format beibehält und einem Berliner Label einen ganzen Tag überlässt, statt nur dessen Stars zu buchen, deutet darauf hin, dass das Kollektiv wachsen will, ohne sich für einen größeren Rahmen glattzubügeln.



