AlphaTheta brauchte diesen Monat kein weiteres Datenblatt, um Aufsehen zu erregen. Es brauchte einen Button. CoBeat, der Publikums-Abstimmungsdienst, der am 9. Juli 2026 auf dem neuen CDJ-1500X von AlphaTheta startete, ändert nicht, was ein CDJ spielt, sondern wer mitreden darf, und das reicht, um einen der ältesten Streitpunkte der Clubmusik neu zu entfachen: Gehört das Set dem DJ, oder dem Raum?

Wie gibt CoBeat dem Publikum konkret eine Stimme?

Die Mechanik ist bewusst simpel gehalten. Vor dem Set baut der DJ in rekordbox einen Wunschkatalog mit bis zu 200 Tracks auf und erzeugt einen QR-Code für den Bildschirm im Club. Gäste scannen ihn mit dem Handy, blättern durch den Katalog und stimmen für einen Track ab oder tippen einen Freitext-Wunsch. Anfragen erscheinen auf dem Browse-Display des CDJ-1500X samt Name der Person, bereit zum Laden durch den DJ, oder zum Ignorieren. Eine Sperrfrist von drei Minuten pro Handy und ein Schimpfwortfilter bei Freitext-Nachrichten sind die einzigen echten Schutzmechanismen, und das ganze System läuft über die Cloud: Jeder Titel im Katalog muss über ein kostenpflichtiges rekordbox-Abo synchronisiert sein, keine lokalen Dateien, kein Streaming, und das Club-WLAN muss mitspielen. Entscheidend: Werkseitig ist alles ausgeschaltet. Erst wenn der DJ CoBeat aktiv einschaltet, taucht überhaupt etwas davon auf.

Wer wählt die Musik wirklich aus: der DJ oder der Raum?

Diese Obergrenze von 200 Tracks zählt mehr, als es die Schlagzeilen über "Publikum an der Macht" vermuten lassen. CoBeat drückt Fremden nicht den USB-Stick in die Hand, es lässt sie eine Vorauswahl sortieren, die der DJ selbst zusammengestellt und abgesegnet hat. Das ähnelt eher einer Jukebox mit fünfzig sorgfältig kuratierten Tracks als einem offenen Mikrofon. Deshalb liegt der ehrlichere Vergleich nicht bei einem echten Kontrollverlust, sondern beim Wunschzettel eines Hochzeits-DJs oder bei der alten Trinkgeld-gegen-Song-Kultur, mit der Bar-DJs seit Jahrzehnten umgehen. Der DJ entscheidet weiterhin, was überhaupt zulässig ist, und entscheidet weiterhin, ob er einem gewinnenden Vote nachgibt. Was CoBeat ihm tatsächlich nimmt, ist die Möglichkeit, in Echtzeit nicht zu wissen, was der Raum will, eine kleine, aber keineswegs belanglose Verschiebung.

Die Menge stellt bei CoBeat nicht die Setlist zusammen. Sie entscheidet nur, welches vom DJ schon befüllte Regal zuerst geöffnet wird.

Warum positionieren sich manche DJs schon jetzt dagegen?

Die Fachpresse lässt echten, wenn auch nicht ganz neuen Widerstand erkennen. DJ TechTools' erster Test des CDJ-1500X hält fest, dass viele Profi-DJs Wünsche lieber persönlich klären oder rundweg ablehnen, das gehört für sie zur Art, wie sie ein Set führen, und dass ein Bildschirm voller Votes und Emoji-Pop-ups mitten im Mix eine zusätzliche Ablenkung ist. Es ist kein neuer Streit: Automatisierte Wunsch-Tools für DJs kommen und gehen seit mindestens 2014, ohne sich je wirklich durchzusetzen, vor allem weil Club- und Festival-DJs ihren Ruf auf Programmauswahl gebaut haben, nicht auf Service. CoBeat dürfte sich am ehesten dort etablieren, wo AlphaTheta es offenbar auch erwartet: Hochzeiten, Firmenfeiern, Bars im Open-Format-Betrieb, also genau die Bereiche des Metiers, in denen Publikumswünsche nie eine Bedrohung waren. Dass der CDJ-1500X das Einstiegsmodell ist, und nicht der Flaggschiff-CDJ-3000X, verrät schon einiges darüber, wen AlphaTheta als eigentliche Zielgruppe sieht.