Eine Genehmigung für ein Tanzevent innerhalb eines UNESCO-Welterbes zu bekommen, gelingt kaum einem Veranstalter. Anjunadeep hat es nun zweimal geschafft, und beide Male war die Veranstaltung ausverkauft.

Open Air on the Thames kehrte am Sonntag, den 9. August, ins Old Royal Naval College in Greenwich zurück, wo das Label-Roster auf dem Gelände des Baudenkmals mit den zwei Zwillingskuppeln spielte, während die Sonne über dem Fluss unterging. Die Tickets waren vor dem eigentlichen Veranstaltungstag vergriffen, sodass nur noch eine Resale-Warteliste blieb, eine Wiederholung dessen, was Veranstalter Labyrinth Sessions im letzten Sommer als «denkwürdige», ausverkaufte Edition bezeichnet hatte.

Warum ist ein Welterbe-Standort so wichtig?

Die meisten Open-Air-House-Events jagen nach Kapazität: ein Feld, ein Parkplatz, ein Lagerhausdach, Hauptsache viele Leute passen nahe an einer Autobahn hinein. Anjunadeep verfolgt etwas anderes. Das Old Royal Naval College ist ein aktives UNESCO-Gelände mit strengen Auflagen dafür, was dort stattfinden darf, und VIP-Ticketinhaber hatten in diesem Jahr Zugang zur Painted Hall selbst, einem der prunkvollsten Zeremoniensäle Großbritanniens, sowie zu einem Balkon mit direktem Blick auf die Hauptbühne und die Themse. Das ist kein klassisches Festivalerlebnis, sondern eher ein privater Club mit einer erstklassigen Anlage. Und genau diese Kulisse könnten sich die meisten Veranstalter niemals genehmigen lassen, was genau der Punkt ist.

Was sagt das Line-up über die Identität des Labels?

Das Line-up, Catching Flies, Dosem, Hana, Eli & Fur, Ezequiel Arias und Marsh unter anderem, passt exakt zum eigenen Stil von Anjunadeep: warm, melodisch, angelegt auf einen Bogen vom Nachmittag bis zum Sonnenuntergang statt auf einen Lagerhallen-Peak-Time-Moment. Zwei aufeinanderfolgende ausverkaufte Termine an einem einzigen Londoner Datum zeigen, dass dieses Publikum weiterhin in großer Zahl für eine ruhigere, kulissenreichere Version von House erscheint, abseits des EDM-Großfestival-Zirkus, der den britischen Elektro-Sommer im Freien dominiert.

«Nach der denkwürdigen, ausverkauften Ausgabe des letzten Sommers kehrt Anjunadeep Open Air ins prächtige Old Royal Naval College zurück.», Labyrinth Sessions

Was bedeutet das für den Londoner Termin im nächsten Jahr?

Zwei ausverkaufte Termine in Folge an einem kapazitätsbeschränkten Welterbe-Standort bringen Anjunadeep in eine Position, um die viele Club- und Festivalmarken sie beneiden würden: einen festen, stark nachgefragten Londoner Termin, um den herum sich eine ganze Saison aufbauen lässt, an einem Ort, der einen Großteil des Marketings selbst übernimmt.