Was zeigt das Feature von Mixmag Asia wirklich?

Mixmag Asia veröffentlichte am 27. Juli seine Übersicht zum "essenziellen Hörstoff" und stellte aufstrebende House und Techno Produzenten aus zehn Ländern und Territorien vor, darunter Japan, Indonesien, China, Indien, Korea, Thailand, Taiwan, Hongkong und Sri Lanka. Die Namen reichen über Generationen und Stile hinweg: Der Japaner Stones Taro, gerade beim britischen Label Rhythm Section unter Vertrag genommen, steht neben dem Veteranen DJ Nobu und dem experimentelleren Oyubi. Indonesien bildet ein eigenes Cluster: das Bandung Duo Bottlesmoker, PNNY aus Bali und das Kollektiv Rampak G.

Der verbindende Faden ist laut Mixmag Asia weniger ein gemeinsames Genre als ein gemeinsamer Instinkt: traditionelle Instrumentierung in elektronische Produktion einzubetten, statt eine House oder Techno Vorlage einfach zu übernehmen. Bottlesmokers eigenes Pressematerial zeigt konkret, wie das aussieht. Das seit 2006 aktive Duo baut seine Tracks um indonesische Instrumente wie Tarawangsa und Kacapi, die durch selbstgebaute, umgebaute Elektronik und klassische Synthese laufen.

Warum hat der Westen das so lange kaum beachtet?

Zwei Jahrzehnte lang war der dominante Blick der europäischen und nordamerikanischen Dance Presse einer der Extraktion, nicht des Austauschs: Asien als Buchungsmarkt für westliche DJs, bestenfalls eine Station auf der Tour eines anderen, fast nie als Quelle eigener Labels und eines eigenen Katalogs. Auch die Distribution lief in eine Richtung. Ein Produzent in Bandung oder Osaka konnte eine Platte pressen, aber die Playlists, die redaktionelle Aufmerksamkeit und die Festival Line-ups, die internationale Bekanntheit aufbauen, wurden fast ausschließlich in Berlin, London und Detroit entschieden. Das schuf eine echte Infrastrukturlücke: Das Talent war da, aber der Apparat, der daraus eine Karriere macht, also Labels, Vertriebsdeals, Booking Agenturen, saß woanders.

Was das Feature von Mixmag Asia tatsächlich dokumentiert, ist das Schließen dieser Lücke. Darker Than Wax, 2011 in Singapur von Kevin Guoh und Dean Chew gegründet, beweist seit über einem Jahrzehnt, dass ein regionales Label Künstler aufbauen, auf Tour bringen und tragen kann, ganz ohne westlichen Segen. EKTA, das Label, das der britisch-panjabische DJ Yung Singh dieses Jahr gestartet hat, macht denselben Punkt aus der Diaspora heraus: Die Debüt EP "Bloom" baute eine Plattform um panjabische Folk- und klassische Einflüsse, ohne darauf zu warten, dass ein europäisches Label die Idee zuerst absegnet.

"Es ist nicht nur ein panjabisches Projekt, es ist ein Medium des kulturellen Austauschs.", Yung Singh, über EKTA

Was ändert das für die kommenden Jahre?

Wenn asiatische Produzenten und die Diaspora Katalog und Publikum über Labels aufbauen können, die dort verwurzelt sind, wo sie tatsächlich herkommen, verschiebt sich auch die Verhandlungsmacht bei Rechten, Tantiemen und Booking Konditionen, weg von der Standardannahme, dass ein westliches Label zwangsläufig der Türsteher sein muss. Das löscht die reale Reibung nicht aus: Tourvisa, Festival Booking Kreisläufe und algorithmische Playlist Platzierung werden weiterhin von westlicher Infrastruktur dominiert, und diese Bühnen von Bandung aus zu erreichen bleibt schwerer als von Berlin aus. Aber Labels, die ihre eigenen Compilations und ihren eigenen Sound definieren, statt darauf zu warten, von jemand anderem entdeckt und verpackt zu werden, sind ein struktureller Wandel, nicht nur ein stärkerer Künstler Jahrgang.

Genau das dokumentiert Mixmag Asia in Echtzeit: keine Welle, die aufsteigt und wieder abebbt, sondern Infrastruktur. Sobald ein Rampak G oder ein Darker Than Wax existiert und funktioniert, muss der nächste Produzent nicht mehr hoffen, dass ihn zuerst ein westlicher A&R bemerkt.