Was genau ist der AD-202?

Audio Damage hat den AD-202 auf derselben Architektur aufgebaut, die den Roland MC-202 zu einem festen Bestandteil früher Acid- und Electro-Sessions gemacht hat: ein VCO mit Sägezahn, Pulse, Sub und Noise, der in ein resonantes 24-dB-Tiefpassfilter läuft, eine Hüllkurve, ein LFO mit verzögertem Einsatz. Das Plugin gibt es für Mac, Windows und Linux (VST3, AU, AAX, CLAP, LV2) sowie iOS (AUv3), zum Einführungspreis von 39 Dollar für Desktop (regulär 49 Dollar ab 15. September) und 4,99 Dollar auf iOS, ohne Dongle oder Abo.

Aber Audio Damage ist vorsichtig mit dem Wort «Emulation». Die Firma erklärt, die Stimmarchitektur von Grund auf neu gebaut zu haben, statt die Schaltung einer bestimmten Einheit nachzubilden, und stellt den AD-202 als eigene Interpretation dieser Monosynth-Gattung vor, nicht als wörtlichen Klon von Rolands Maschine aus dem Jahr 1983.

Warum verändert achtstimmige Polyphonie die Gleichung?

Der originale MC-202 konnte immer nur eine Note spielen. Diese Einschränkung ist kein Nebenschauplatz, sie ist der Grund, warum die Maschine so klingt: Jede darauf gebaute Acid-Linie ist eine einzelne, gleitende, resonante Stimme, die mit sich selbst ringt, der klassische Squelch entsteht durch Portamento, das einen Oszillator zwischen Noten gleiten lässt. Der AD-202 sprengt diese Grenze mit acht Stimmen, dazu analoge Drift pro Stimme, damit gestapelte Noten nicht identisch klingen. Aus einem Mono-Basswerkzeug wird so ein Instrument, das Flächen, Akkorde und geschichtete Linien tragen kann; MPE fügt Pitch Bend und Druck pro Note hinzu, MTS-ESP bringt eine mikrotonale Stimmung, die die Hardware nie hatte.

Der Charakter einer 202- oder 303-Basslinie lebt im Mono-Gleiten, und Akkorde über denselben Filter und dieselbe Hüllkurve zu spielen, bildet das nicht ab.

Wer eine exakte Vintage-Acid-Linie sucht, macht damit einen Kompromiss, kein simples Upgrade. Für Deep- und Tech-House-Produzenten, die genau diese körnige Filtertextur als Akkord- oder Schichtinstrument wollen, ist es genau der Punkt.

Was hat Audio Damage gegenüber der Maschine von 1983 wirklich verändert?

Neben der Polyphonie bringt der AD-202 eine Post-VCA-Farbsektion (Sättigung vor dem Filter, Filter-Drive, Distortion, Tilt-EQ) und Portamento bis zu fünf Sekunden. Was fehlt, ist der eingebaute Step-Sequenzer des MC-202, die Funktion, die das Original zu einer eigenständigen Synth-Sequenzer-Kombination machte statt nur zu einer Klangquelle. Der AD-202 verlässt sich für Pattern und Noten komplett auf die DAW oder einen externen MIDI/MPE-Controller.