Berlins Clubszene bekommt in diesem Herbst einen finanziellen Schub, und diesmal ist die Zahl konkret. Die Clubcommission Berlin, der gemeinnützige Branchenverband der Berliner Nachtszene, verteilt 410.000 Euro in 32 Förderungen im Rahmen des Tag der Clubkultur 2026, der Festivalwoche vom 3. bis 11. Oktober.
Wie viel Geld liegt wirklich auf dem Tisch?
Die 410.000 Euro gliedern sich in Stufen: Clubs können bis zu 20.000 Euro gewinnen, Kollektive bis zu 10.000 Euro, und der Newcomer-Status bringt 10.000 Euro für einen Club oder 5.000 Euro für ein Kollektiv. Das ergibt im Schnitt rund 12.800 Euro pro Förderung bei 32 Empfängern. Das Geld kommt von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt, während die Clubcommission bereits im siebten Jahr Bewerbungen, Jury und Auszahlung organisiert.
Über die 32 vergebenen Förderungen hinaus rückt die Festivalwoche mehr als 110 Clubs, Kollektive, Radios und Initiativen ins Licht, mit über 100 Veranstaltungen: Clubnächte, Open-Airs, Talks, Workshops und Filmvorführungen quer durch die Stadt.
Kann öffentliches Geld eine Clubkrise wirklich ausgleichen?
Hier ist die Spannung, die die Senatsmitteilung nicht ausspricht: 410.000 Euro klingen beträchtlich, bis man sie neben das hält, was es tatsächlich kostet, einen Berliner Club am Laufen zu halten. Das SchwuZ, oft als Deutschlands ältester queerer Club bezeichnet, hat im November 2025 endgültig geschlossen, nachdem die Geschäftsführung monatliche Verluste von 30.000 bis 60.000 Euro gemeldet hatte, weil es nicht mehr zuverlässig die nötigen 800 bis 1.000 Gäste pro Abend anzog, um die Kosten zu decken. Eine einzige Höchstförderung von 20.000 Euro hätte nicht einmal einen Monat dieser Verluste gedeckt.
Katharin Ahrend, Projektleiterin des Festivals und Geschäftsführerin der Clubcommission, bringt den Druck unverblümt auf den Punkt: „Hier arbeitet eine ganze Szene unter erheblichem Druck und schwierigen Rahmenbedingungen, in Zeiten schrumpfender Räume, eines politischen Rechtsrucks und der Rezession.“
„Hier arbeitet eine ganze Szene unter erheblichem Druck und schwierigen Rahmenbedingungen, in Zeiten schrumpfender Räume, eines politischen Rechtsrucks und der Rezession.“
Das ist die eigentliche Geschichte: öffentliche Anerkennung und ein echter finanzieller Schub für die Orte, die noch stehen, kein Rettungspaket für die, die schon aus dem Markt gepresst wurden.
Was bedeutet STAY CORE in diesem Jahr wirklich?
Das Motto 2026, STAY CORE, baut auf drei Ideen auf: bleiben, sich sorgen und Widerstand leisten, ausdrücklich als Antwort darauf gedacht, wie sich Clubkultur behauptet, wenn Kosten steigen, Räume verschwinden und der Druck von mehreren Seiten gleichzeitig wächst. Es ist weniger eine Feier als eine Absichtserklärung, die ausgerechnet in dem Herbst kommt, in dem die Berliner Nachtpresse Nachrufe auf Orte wie das SchwuZ häuft.
Die Preisträger wurden bei der Festivaleröffnung am 3. Oktober bekanntgegeben, neben Highlights für Szeneinstitutionen wie das Gretchen in Kreuzberg, das während der Woche sein eigenes Jubiläum feiert.



