München verliert bald einen seiner prägenden Räume. Das BLITZ, der Technoclub im ehemaligen Kongresssaal des Deutschen Museums auf der Museumsinsel, hat die endgültige Schließung nach fast einem Jahrzehnt bestätigt, und geht mit einem der stärksten Abschieds-Lineups eines deutschen Clubs seit langem raus.
Das Abschlusswochenende zieht sich über vier Tage, von Freitag, 31. Juli, bis Montag, 3. August 2026, mit Âme, Carl Craig, Marcel Dettmann und Seth Troxler an der Spitze eines Lineups von über 80 Künstlern über die gesamte Dauer, neben den Residents und Newcomern, die den Ruf des Clubs Abend für Abend geprägt haben. Das ist kein Programm für ein gewöhnliches langes Wochenende, sondern die Art von Lineup, die ein Club zusammenstellt, wenn allen Beteiligten klar ist, was genau hier endet.
Warum schließt das BLITZ eigentlich?
Hier wird die Geschichte frustrierend vage, und genau hier wird TTH keine Lücken füllen, die der Club selbst nicht geklärt hat. In seinem Statement schreibt das BLITZ lediglich, man müsse "aus Gründen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, in neue Gefilde aufbrechen." Kein Vermieter wird genannt, kein Mietstreit im Detail beschrieben, kein Umbauplan offengelegt. Solche Formulierungen deuten bei Clubschließungen generell meist auf etwas Strukturelles hin: einen nicht verlängerten Mietvertrag, einen Gebäudeeigentümer mit anderen Plänen, ein Lizenzproblem. Doch das BLITZ betreibt seine Räume innerhalb eines Museumsgebäudes, dem Forum der Technik des Deutschen Museums, was ein anderes Vermieterverhältnis ist als ein gewöhnlicher Gewerbemietvertrag, und nichts in der Formulierung des Clubs bestätigt, welches dieser Szenarien hier zutrifft. Die Berichterstattung seit der Ankündigung im Februar hat weder einen Namen noch eine Summe noch einen Verantwortlichen hinter der Schließung zutage gefördert, also erfinden wir keinen.
Bestätigt ist: Das wird nicht als Streit inszeniert. "Das BLITZ wurde zu einem wahrhaft hingebungsvollen Musikort, einem Tempel des Tanzes", heißt es im Statement. "Wir haben immer gehofft, so lange wie möglich an diesem Ort bleiben zu können... Wir müssen gehen, und wenn wir gehen, tun wir es mit Stil." Das ist der Ton einer Würdigung, nicht eines Protests, und das Abschluss-Lineup unterstreicht das.
Was hat diesen Raum so bedeutend gemacht?
Als das BLITZ im April 2017 eröffnete, sorgte allein die Idee für Schlagzeilen: ein Club für 600 Gäste in zwei Räumen, untergebracht in einem ehemaligen Kongresssaal von 1935, der einst Münchens größter Konzertsaal und später ein IMAX-Kino war, ausgestattet mit einer maßgefertigten Vier-Punkt-VOID-Anlage und Akustikpaneelen, die nach dem Schwarmverhalten von Tieren entworfen wurden. Die Eröffnungsnacht war fast sofort ausverkauft. Seitdem haben Medien wie Mixmag und Groove das BLITZ wiederholt unter die besten Clubs der Welt gewählt, und der Raum baute seine Identität auch dadurch auf, dass er sich der Handykultur verweigerte: Ein striktes Fotoverbot auf der Tanzfläche hielt den Fokus auf der Musik und dem Publikum statt auf dem Bildschirm.
"Wir haben immer gehofft, so lange wie möglich an diesem Ort bleiben zu können, aber aus Gründen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, müssen wir in neue Gefilde aufbrechen. Wir müssen gehen, und wenn wir gehen, tun wir es mit Stil."
Ob der Name "BLITZ" anderswo in München wieder auftaucht, lässt das Team selbst offen, doch der Raum auf der Museumsinsel, mit den an Schwärme angelehnten Wänden und der im Handumdrehen ausverkauften Eröffnungsnacht, schließt am 3. August endgültig.
Wer steht sonst noch auf dem Bill?
Neben den vier Headlinern umfasst das Programm Ben Klock, DVS1 und Todd Terry neben den BLITZ-Residents sowie Live-Sets von HTRK und Stella & The Longos. Der Aufbau wirkt weniger wie eine klassische Abschlussparty und mehr wie eine Bestandsaufnahme all jener, die in neun Jahren durch die Booth gegangen sind.



