Kolumbien zaehlt noch immer seine Toten. Ein Erdbeben der Staerke 7,4 erschuetterte am 10. August den Westen des Landes, mit dem Epizentrum nahe San Jose del Palmar im Departamento Choco, toetete mehr als 160 Menschen und liess hunderte unter eingestuerzten Gebaeuden und zerstoerten Krankenhaeusern vermisst. Drei elektronische Clubs in Bogota entschieden, dass die Reaktion nicht auf eine Spendengala warten konnte.
Was tun die Clubs konkret?
Video Club, Odem und Radio Estrella kuendigten am 11. August auf Instagram an, ihre Mittel zu buendeln: einen Teil der Einnahmen dieses Wochenendes, dazu die Gagen mehrerer DJs, die freiwillig darauf verzichten, alles zugunsten von PLAN International, einer Organisation, die bereits vor Ort in den betroffenen Gebieten hilft. Das ist kein symbolisches Zeichen. Der Freitagabend im Video Club, 'Entropia: RUIZ OSC1 + KUSS', und jener im Radio Estrella, 'Linds x PlurALL & Hyperpop', beide am 14. August, laufen als Benefizveranstaltungen und nicht als gewoehnliches Wochenendprogramm, und die Clubs ermutigen ihr Publikum, direkt ueber die offiziellen Kanaele von PLAN International zu spenden, nicht nur Tickets zu kaufen.
Laut dem gemeinsamen Instagram-Post, ueber den Resident Advisor berichtete, geht "ein Teil der Club-Einnahmen dieses Wochenendes, zusammen mit mehreren DJ-Gagen" direkt in die Hilfsmassnahmen.
Warum mobilisiert sich die Szene in Bogota, nicht nur in Cali?
Das Erdbeben traf Choco und den Westen des Landes am haertesten, doch die kulturellen Folgen sind in ganz Kolumbien zu spueren. Der Buergermeister von Cali sagte die 30. Ausgabe des Petronio-Alvarez-Festivals ab, die groesste Buehne des Landes fuer afrokolumbianische Musik, geplant vom 12. bis 17. August; die Behoerden sprachen von hoeherer Gewalt, die Sicherheit der Bevoelkerung habe Vorrang vor den Festivalbuehnen. Pereira strich sein Erntefest und leitete das Budget in die Katastrophenhilfe um. Bogota liegt hunderte Kilometer vom Epizentrum entfernt, doch seine Clubs sind Teil derselben nationalen Musikwirtschaft, und viele Bogotaer Promoter und DJs haben Freunde, Bookings oder Familie in den betroffenen Departamentos. DJ Julianna aus Medellin veroeffentlichte Aufnahmen der Schaeden am Haus ihrer eigenen Familie in Cali und startete eine GoFundMe-Kampagne fuer Reparaturen und Unterkunft, eine Erinnerung daran, dass diese Sache fuer die Szene alles andere als abstrakt ist: Sie ist persoenlich fuer viele, die in diesen Raeumen auflegen.
Wo landet das Geld wirklich?
PLAN International betreibt Hilfsmassnahmen mit Fokus auf Notunterkuenfte, Notversorgung und Unterstuetzung fuer Kinder und Familien, die durch das Beben vertrieben wurden, und war bereits in den betroffenen Regionen aktiv, was wohl erklaert, warum sich alle drei Clubs fuer dieselbe Organisation entschieden haben statt fuer drei verschiedene. Die Clubs machen klar: Die Einnahmen der Abende und die DJ-Gagen sind ein Anfang, keine Obergrenze. Ihre Instagram-Posts ermutigen jeden, der dieses Wochenende nicht in Bogota ist, direkt ueber PLAN International zu spenden, statt darauf zu warten, dass eine Party das fuer sie erledigt.



