Warum verschenkt die Stadt, die House erfunden hat, ihr eigenes Festival noch immer?
Chicagos House-Szene entstand aus Warehouse- und Loft-Partys der frühen 1980er Jahre, und mehr als vier Jahrzehnte später ist es die Stadtverwaltung selbst, die die Jubiläumsfeier ausrichtet, ohne von irgendjemandem Eintritt zu verlangen. Das Chicago House Music Festival & Conference, produziert vom städtischen Amt für Kultur und Sonderveranstaltungen (DCASE), kehrt vom 27. bis 30. August 2026 zurück, mit jedem Set und jedem Panel kostenlos und öffentlich zugänglich. DCASE-Commissioner Kenya K. Merritt bezeichnete House als "eines von Chicagos größten kulturellen Geschenken an die Welt", und das diesjährige Line-up unterstreicht das mit Namen, die schon dabei waren, als das Genre noch rein lokal war: Roy Davis Jr, Chip E. und Maurice Joshua headlinen den Samstag neben Sundance, E-Smoove, Darryn Jones, DJ Heather, K'Alexi Shelby und Emmaculate, Teil eines Line-ups von rund 40 Acts über vier Tage. Der Kontrast zur exportierten Version des Genres ist deutlich: Anderswo ist House zu einem Festivalgeschäft mit VIP-Tischen und vierstelligen Ticketpreisen geworden, aufgebaut auf einem Sound, den diese Stadt einst zum Preis eines Busfahrscheins verteilte.
Was läuft wirklich auf den vier Bühnen?
Das Hauptevent am Samstag füllt den Millennium Park mit vier gleichzeitig bespielten Bühnen: der Legacy Stage im Pritzker Pavilion, der North Promenade, der Soulful House Stage und dem Groove Garden. Der Rest des Programms reicht bis zum Daley Plaza, zum Chicago Riverwalk und zu einem Abendset im Grant Park mit Ron Troupe und Mark "Flava" Fuller. Das Programm startet am Donnerstag im Chicago Cultural Center mit einer Auftaktparty von Nosha Luv, Cratebug und Martin Boogieman Luna, und auf der Tanzseite des Wochenendes läuft der zweite Chicago House Dance Summit: Footwork-Kurse anlässlich des Footwork Appreciation Month, House-Dance-Unterricht für alle Altersgruppen, Masterclasses mit Caleaf, King Charles und Shan S, sowie ein Wettbewerb, der auf ein Finale zusteuert.
Worum geht es bei der Konferenz eigentlich?
Die Panels richten sich direkt an aktive DJs und Produzenten, nicht ans Publikum: Sessions zu unabhängigen Künstlern, Labels und ihrer Sichtbarkeit in einem überfüllten Markt, zu Vertrieb und dem Comeback von Vinyl, zur Interessenvertretung von DJs und zur Rider-Verhandlung mit Venues, zur Weitergabe zwischen Generationen, und ein Workshop zur finanziellen Absicherung mit dem unverblümten Titel "Jack Your Body, Don't Get Jacked". Ein Panel, "AI in Music, Don't Get Played", behandelt die Chancen und rechtlichen Risiken, die KI heute für Produzenten bedeutet, ein Thema, das nach Science-Fiction geklungen hätte, als einige der diesjährigen Headliner in Chicagos Clubs anfingen.



