Wer gewinnt dieses Ranking eigentlich wirklich?

Drei Namen: David Guetta, Martin Garrix und Armin van Buuren, die einzigen Künstler, die DJ Mags Top 100 DJs je fünfmal angeführt haben. Allein Guetta und Garrix zusammen stehen für 9 der letzten 10 ersten Plätze. Die Abstimmung zur Ausgabe 2026, dem 33. Jahr des Rankings, startete am 8. Juli und bleibt bis zum 16. September offen, ganz ohne Nominierungsrunde und ohne Zulassungsfilter: Jeder im Netz kann fünf Namen einreichen, und Mainstream-EDM-Fanlager haben jede andere Gruppe bislang konstant überstimmt.

Warum ziehen House und Techno immer wieder den Kürzeren?

Ein Geheimnis ist das nicht; selbst DJ Mag hat den Punkt faktisch eingeräumt. Das Magazin führt inzwischen ein zweites, mit Beatport verpartnertes '100'-Ranking, eigens dafür gedacht, Techno- und House-Künstlern wie Charlotte de Witte und Carl Cox ein Ranking zu geben, das nicht von Big-Room- und Progressive-House-Fanarmeen überstimmt wird, die über Management-Teams und Social-Media-Kampagnen mobilisiert werden. Der Trance-Veteran Paul van Dyk hat das Hauptranking als schlichten Beliebtheitswettbewerb bezeichnet und Künstlern geraten, sich die Teilnahme zu sparen.

Löst DJ Mag damit sein eigenes Problem?

Nicht wirklich: Das Magazin betreibt lieber zwei Rankings parallel, statt jenes zu reparieren, auf das es bei Buchungen wirklich ankommt. Die Top 100 fungiert weiterhin als Nachfragesignal für Festival-Booker und als Verhandlungsmasse bei Gagenverhandlungen, sodass ein Ranking, das strukturell auf die größte Mailingliste ausgerichtet ist, weiterhin mitentscheidet, welche Künstler die großen Bühnen bekommen, unabhängig davon, was auf den Dancefloors tatsächlich passiert.

Ein eigenes Ranking für Techno und House abzuspalten, ist DJ Mags stilles Eingeständnis, dass das Flaggschiff-Ranking die Szene längst nicht mehr abbildet.