Was veröffentlicht Ellen Allien wirklich?
Am 9. Juli bringt Ellen Allien New Life auf BPitch heraus, dem Berliner Label, das sie 1999 gegründet hat und bis heute selbst führt. Es ist ihr erstes komplettes Album seit sechs Jahren: zehn Tracks, geschrieben zwischen Berlin, Miami und Ibiza über mehrere Winter, und es bewegt sich, wie es ihre besten Platten immer getan haben, von Minimal Techno über Dark Wave bis zu jenem Rave-Hoch, das erst um fünf Uhr morgens Sinn ergibt, mit ihrer eigenen Stimme, die sich durch alles zieht.
Der erste Vorgeschmack, Steh Auf, läuft seit Mai. Allien hat es schlicht auf den Punkt gebracht: ein Track über das Aufstehen, das Sich-Bewegen und die Weigerung, schlafwandelnd durch die Trümmer zu gehen.
Warum spricht sie von einer Protestplatte?
Weil das Thema alles andere als subtil ist. Allien sagt, New Life handle von Autonomie, ökologischem Kollaps, Wahlfamilie, Queerness, Fürsorge und von dem elementaren Bedürfnis, neue Welten zu bauen, wenn die alten immer weiter scheitern. Das ist viel für eine Clubplatte, und es ist genau das Register, in dem sie seit Jahren arbeitet: Euphorie und Beklemmung im selben Track, der Floor als der Ort, an dem man beides fühlt.
Steh auf heißt aufstehen. Es ist ein Aufruf, sich zu bewegen und nicht länger schlafwandelnd durch die Trümmer zu gehen.
Was das Ganze davor bewahrt, zur Predigt zu werden, ist der Sound. Es bleibt ein Rave-Album, gebaut für den Raum, kein Moodboard guter Absichten.
Was sagt es über den Underground, den sie mit aufgebaut hat?
Allien ist eine der letzten gründergeführten Säulen des Berliner Techno. 27 Jahre später besitzt und führt sie noch immer BPitch, gibt weiter ihre We-Are-Not-Alone-Partys im RSO Berlin und hält die Plattenladen-Nacht Vinylism am Laufen. In einer Szene, in der geliebte Labels und Clubs ständig gekauft, fusioniert oder von Mieten verdrängt werden, ist diese Unabhängigkeit selbst eine Ansage, und New Life klingt, als wüsste sie das. Sie bringt das Album bis Jahresende auf Tour durch 16 Länder.



