Was macht der Razornator eigentlich?
Erica Synths hat sich mit dem niederländischen DSP-Haus 112dB für etwas zusammengetan, das kein Synth und kein Delay ist, obwohl es aus Delays besteht. Der Razornator ist eine Desktop-Stereo-Effektbox, deren Kern fünf chromatisch gestimmte Stereo-Delay-Lines bilden, was zehn Karplus-Strong-Resonatoren ergibt. Schick ihm einen Drumloop, eine Stimme, ein Pad oder Rauschen, und er prägt allem, was hindurchgeht, einen gestimmten resonanten Charakter auf.
Um diesen Kern liegt eine echte Signalkette, kein einzelner Regler. Es gibt einen Master-Regler 'shift' und vier Pitch-Offsets, um die Resonatoren chromatisch zu stimmen, eine Gain-Stufe mit bis zu 24 dB für einen Overdrive im Analog-Stil, ein resonantes Tiefpassfilter, einen Envelope Follower für dynamische Bewegung sowie einen Kompressor-Limiter und einen EQ, damit das Ausgangssignal brauchbar bleibt. Alle 12 Parameter reagieren auf MIDI, und Presets lassen sich speichern und abrufen.
Warum eine Karplus-Strong-Box, und warum jetzt?
Karplus-Strong ist der klassische Algorithmus für gezupfte Saiten und Physical Modeling. Er simuliert, wie ein reales Objekt klingt, der Korpus eines Instruments, ein Raum, eine Metallstruktur, indem ein kurzes Delay auf sich selbst zurückgeführt wird. Zehn davon in eine Stereo-Hardware zu packen macht aus der Technik einen Performance-Effekt statt eines versteckten DSP-Tricks.
Für Organic House, Dub Techno und perkussive Tracks ist das eine Maschine, um Klänge angeschlagen, gestrichen und physisch wirken zu lassen.
Das Timing ist kein Zufall. Produzenten jagen seit zwei Jahren organischen, akustiknahen Texturen hinterher, als Reaktion auf den zu sauberen Digitalsound, und eine eigene Resonanz-Box reitet diese Welle direkt auf den Tisch.
Ist er etwas für dich?
Der ehrliche Einwand lautet: Physical-Modeling-Plug-ins machen Karplus-Strong längst, oft günstig. Erica Synths wettet darauf, dass die haptische Kontrolle, das Stereo-Routing, der Fußschalter-Eingang und das Sounddesign von 112dB die 490 Euro plus Mehrwertsteuer wert sind, mit Auslieferung ab dem 3. Juli 2026. Wer Tracks um Textur und Resonanz statt um Presets baut, für den ist ein gestimmter, spielbarer Resonator auf dem Tisch eine andere Arbeitsweise. Wer vor allem einen Hall will, ist hier falsch.



