Im August berichtete TTH, dass Ibizas Stadtverwaltung eingeräumt hatte, die Lizenzrechnung des Corso-Megaclubs sei "nicht reparabel", nachdem das Problem sechzehn Monate lang liegen geblieben war. Dieses Eingeständnis begrub das Projekt nicht. Es schickte die Stadtverwaltung auf die Suche nach einer neuen Rechtsgrundlage, und laut der Berichterstattung von La Voz de Ibiza hat sie bereits drei ausprobiert.
Was ist die neue Rechtstheorie der Stadtverwaltung?
Am 9. Februar argumentierte der Stadtrat, der Club im Corso sei ein bereits bestehender Tanzsaal, der Bestandsschutz genieße. Als das nicht hielt, schwenkte man am 7. Juli auf eine andere These um: Das Lokal sei lediglich ein Hotelservice, keine öffentliche Diskothek, die demselben Lizenzregime unterliege. Auch dieses Argument brach zusammen. Am 28. August präsentierte die Stadtverwaltung These Nummer drei: Der Corso-Betrieb sei ein eigenständiger öffentlicher Tanzsaal, rechtlich begründet durch die Wiederbelebung einer jahrzehntealten Lizenz.
Drei Rechtstheorien in sechs Monaten, jede im Widerspruch zur vorherigen, sieht nicht nach einem funktionierenden Genehmigungsverfahren aus. So sieht es aus, wenn eine Stadtverwaltung das Ergebnis längst festgelegt hat und rückwärts nach einer Begründung sucht, die vor Gericht standhält.
Warum ist eine Lizenz von 1997 so zentral?
Die von der Stadtverwaltung ausgegrabene Lizenz stammt aus dem Jahr 1997. Laut La Voz de Ibiza wurde sie für eine Fläche von nur 488 Quadratmetern mit einer harten Obergrenze von 365 Personen erteilt. Das Corso-Projekt, das sie nun legitimieren soll, umfasst 2.484 Quadratmeter, fast fünfmal so viel Fläche, wie die ursprüngliche Genehmigung je erlaubt hat.
Eine kapazitäts- und flächenbegrenzte Tanzsaal-Lizenz aus den Neunzigern so zu dehnen, dass sie einen Megaclub von 2026 abdeckt, ist genau die Art von rechtlicher Verrenkung, die die Prüfung provoziert, der sie nun unterzogen wird. Der Consell eröffnete am 1. September eine zehntägige öffentliche Einspruchsfrist speziell zu dieser dritten These, und zwei separate Klagen, Verfahren 39/2026 vor dem Gericht erster Instanz Nr. 4 in Palma und 85/2026 vor Gericht Nr. 1, prüfen bereits, ob sie standhält. Eine Baustopp-Frist rücke offenbar um den 30. September näher, was die Eile hinter einer These nach der anderen erklärt: Welche auch immer an diesem Datum noch steht, entscheidet, ob der Bau fortgesetzt werden kann.
Was sagen die Gerichte und die Opposition?
Während die Gerichte die Unterlagen prüfen, sagt die eigene Opposition der Stadtverwaltung, sie könne sie nicht einmal einsehen. Stadträtin Guadalupe Nauda hat laut La Voz de Ibiza formell Akteneinsicht beantragt und wurde abgelehnt. PSOE und Unidas Podemos haben gemeinsam eine dringliche Ausschusssitzung gefordert, um die Verwaltung zur Rechenschaft zu zwingen für ein Projekt, das bereits drei getrennte, unvereinbare Rechtsbegründungen überstanden hat, ohne dass eine davon eine Anfechtung unbeschadet überstanden hätte.
"Tres argumentos distintos en seis meses", drei verschiedene Argumente in sechs Monaten, so fasste La Voz de Ibiza die Methode der Stadtverwaltung zusammen. Allein dieser Satz sagt viel über das Vertrauen aus, das man in irgendeine dieser Theorien setzen sollte.
Für eine Branche, die Ibizas Lizenzmaschinerie genau beobachtet, zählt das Muster mehr als jede einzelne Rechtstheorie: Wenn eine Stadtverwaltung drei Anläufe braucht, um ein einziges Projekt zu rechtfertigen, und dabei der eigenen Opposition den Zugang zur Akte verwehrt, handelt die Geschichte nicht mehr von einem Megaclub, sondern davon, wie Lizenzen auf der Insel gemacht werden.



