Kieran Foster hat zwanzig Jahre lang Producer dazu gebracht, ihre eigenen Tracks absichtlich zu zertrümmern und genau das zu lieben. Der britische Entwickler, in den Foren bekannt als illformed, dblue und MaDHaTTeR, ist mit 47 Jahren gestorben. Nur wenige Tage später machten die Wegbegleiter, die seinen Code am Leben hielten, sein wichtigstes Plugin zum Gratis-Download und fügten dabei genau das Format hinzu, das ihm immer gefehlt hatte.

Was machte Glitch so anders?

Foster veröffentlichte Glitch 2005, zu einer Zeit, in der die meisten Effekt-Plugins noch nach einem sauberen Klang strebten. Glitch machte das Gegenteil: Es erlaubte, Stutter, Reverse, Retrigger und Tape-Stop auf einem tempo-synchronen Step-Sequencer zu programmieren und verwandelte einen statischen Loop in etwas, das stolpert, springt und sich in Echtzeit neu zusammensetzt. Für eine Generation, die mit Trackern und frühen Home-Studio-Foren wie dem von Renoise aufwuchs, war es eines der ersten Tools, das Computermusik wirklich experimentell erscheinen ließ, statt nur ein Hardware-Studio zu imitieren. Foster war zudem über Jahre eine feste Größe in der Renoise-Community, wo seine Code-Arbeit ganze Teile dieser Tracker-basierten Produktionsszene mitprägte.

Glitch² folgte 2013 und erweiterte die Idee zu einem vollen Multi-Effekt-Rack: Distortion, Shuffler, Stretcher, Reverser, Retrigger, Gater, Delay, Lo-Fi und ein Modulator, jedes davon schrittweise ausgelöst statt als Note gespielt. Der Ansatz war so einflussreich, dass Sugar Bytes Glitch als direkte Inspiration für das eigene Plugin Effectrix nennt, das 2008 erschien.

Was passiert jetzt mit Glitch²?

Nach Fosters Tod ging ein befreundeter Entwickler zurück in den Code des Plugins, fügte VST3-Support hinzu (ein Format, das Glitch² nie offiziell hatte) und veröffentlichte alles als Freeware. Es läuft jetzt als VST, VST3 und AU, sowohl auf Apple-Silicon- als auch Intel-Macs, und unter Windows: Das Tool, das ein Jahrzehnt Glitch- und IDM-Produktion geprägt hat, ist nun für jeden Producer mit einer modernen DAW kostenlos zugänglich.

»Sein Plugin ist eines der lustigsten FX-Plugins, die je entwickelt wurden. Und als Version 1 herauskam, war sie eine der innovativsten.«

Tomislav Zlatic von Bedroom Producers Blog sagt es unumwunden und erinnert sich, dass das ursprüngliche dblue Glitch um 2008 eines der ersten Plugins war, das er nutzte: es sei »chaotisch und lustig gewesen und hätte Türen geöffnet, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt«.

Warum zählt das mehr als nur Nostalgie?

Fosters Tools waren nicht speziell House- oder Techno-Plugins, aber das Vokabular, das er geschaffen hat (Stutter-Edits, Glitch-Retrigger, tempo-gebundenes Chaos), ist seit Jahren fester Bestandteil der Deep-Tech-, Minimal- und experimentellen House-Produktion, überall dort, wo ein Producer rhythmische Zerstörung einer sauberen Übergabe vorzieht. Die Person zu verlieren, die dieses Vokabular geschaffen hat, und gleichzeitig kostenlosen, modernisierten Zugang zum Tool dahinter zu bekommen, ist ein seltener Moment, in dem eine Community trauert und gleichzeitig etwas wirklich Nützliches geschenkt bekommt.