Was bekommt man für 14,99 Dollar wirklich?
Interaktiv Tap macht aus einem iPad eine eigene Steuerfläche für Traktor Pro 3 oder 4, kabelgebunden über USB: Das Audiosignal läuft weiter über das gewohnte Interface, das iPad sendet nur Steuerdaten. Die App legt vier Deck-Typen (Track-, Stem-, Remix- und Live-Input-Decks), vier FX-Einheiten, Hot-Cues, Loop-Steuerung sowie Traktors Master-Tempo und Sync auf berührungsoptimierte Slider, Buttons und Zwei-Finger-XY-Pads. Keine Drehregler: Ein Filter oder Delay wird zum Pad, das man mit zwei Fingern zieht oder anschlägt, und die App kann diese Geste aufzeichnen, sodass ein Filter-Sweep oder ein Effekt-Wurf taktgenau mit dem Track loopt. Eine Freeze-Funktion friert eine gesamte Handposition ein, praktisch, um zwischendurch etwas zu trinken oder Schweiß abzuwischen, ohne den Faden zu verlieren, und ein App-Lock-Modus verhindert, dass ein versehentlicher Touch etwas kaputt macht.
Die App installiert sich als eigenes Gerät im Controller Manager von Traktor und ergänzt damit die vorhandene Hardware, statt sie zu ersetzen. Sie läuft mit 120 Bildern pro Sekunde und ist darauf ausgelegt, eine ganze Clubnacht durchzuhalten, nicht nur eine kurze Demo im Wohnzimmer.
Wie schlägt sie sich gegen Native Instruments' eigene Hardware?
Das ganze Argument steht und fällt mit dem Preisunterschied. Interaktiv Tap lässt sich kostenlos testen, mit 15-minütigen Demo-Sessions und einer vollen 7-Tage-Testphase, und ein einmaliger Kauf für 14,99 Dollar schaltet die App dauerhaft frei, ohne Abo, ohne Account. Native Instruments' eigener kompakter Traktor Kontrol X1, das nächstliegende Hardware-Pendant für FX- und Cue-Steuerung per Hand, startet bei rund 219 Dollar. Das Flaggschiff-System Kontrol S4 MK3, die komplette Einheit aus Mixer und Decks, mit der die meisten tourenden Traktor-DJs tatsächlich unterwegs sind, kostet knapp 899 Dollar. Interaktiv Tap ersetzt keines von beidem: Es hat kein Audiointerface, keinen Mixer, keine Jogwheels, und man braucht einen Laptop, auf dem bereits Traktor Pro 3 oder 4 läuft, um es anzuschließen. Was es ersetzt, sind die kleineren, günstigeren Zusatzcontroller, die man rein für FX- und Hot-Cue-Kontrolle per Hand kauft, und das mit Hardware, die die meisten DJs ohnehin schon in der Tasche haben.
Wo ist der Haken?
Sie ist kabelgebunden, nicht kabellos: Interaktiv Tap verbindet sich über ein einziges USB-Kabel (Lightning oder USB-C) direkt mit dem Mac oder PC, auf dem Traktor läuft, das Kabel lädt dabei auch das iPad, es muss also in Kabelreichweite des Laptops in der DJ-Booth bleiben. Nötig ist außerdem ein relativ aktuelles iPad, iPadOS 18 oder neuer auf jedem Modell außer dem Mini, etwa ab 2018 oder 2019, das alte iPad in der Schublade qualifiziert sich also womöglich nicht. Und ein App-Instrument bleibt, so flott es auch reagiert, eine flache Glasscheibe: keinen physischen Widerstand an einem Filterregler, kein spürbares Klicken bei einem Hot-Cue, genau das taktile Feedback, für das Hardware-Controller eigentlich gebaut sind, wenn ein DJ im Dunkeln mixt.



