Vor zwanzig Jahren nahmen Jen Cardini und Shonky einen Track auf, der zu einer der leisen Signaturen des Berliner Minimal wurde: reduzierte Drums, eine hypnotische Basslinie, ein Vocal-Hook, der nie zu viel will. "August In Paris" erschien 2006 auf Mobilee Records, zu einer Zeit, als das Label neben Namen wie Anja Schneider und Ryo diesen Sound mitprägte. Der Track lief ein Jahrzehnt lang in Sets und wurde zur Referenz für eine ganze Generation von Produzenten, die genau diese Zurückhaltung suchten.
Warum erscheint ein Mobilee-Klassiker jetzt auf Cardinis eigenem Label?
Das ist der entscheidende Punkt: Die Jubiläumsausgabe ist keine Mobilee-Wiederveröffentlichung. Sie erscheint auf Correspondant, dem Label, das Cardini seit 2011 von Berlin aus führt. Das ist kein Nebendetail. Dass Künstler ihren eigenen Katalog zurückholen und über das eigene Label neu veröffentlichen, statt es dem ursprünglichen Label zu überlassen, gehört zu den interessanteren stillen Trends der Szene, da Künstler zunehmend genau darauf achten, wer ihre Masterbänder kontrolliert und wer profitiert, wenn ein Track ein zweites Leben bekommt. Dass Cardini "August In Paris" über ihre eigene Struktur laufen lässt, zeigt, dass sie in diesem Katalog echten, anhaltenden Wert sieht, nicht nur Nostalgie.
Was steckt wirklich in der Neuauflage?
Das Paket kombiniert ein remastertes Original mit drei neuen Interpretationen: Kasra V, Jennifer Loveless und Jump Source steuern je einen Remix bei. Das ist eine bewusste Wahl: aktuelle Namen der Minimal- und Deep-Tech-Szene statt altgedienter Remixer, die vom Namen des Originals profitieren wollen. Das Jubiläum wird so eher zur Übergabe als zum Museumsstück und verbindet den Track von 2006 mit dem Sound, den seine eigenen Nachfolger heute machen. Die digitale Ausgabe ist heute erschienen, die 12-Zoll-Vinylausgabe folgt am 11. September auf Correspondant.
Warum den Track ausgerechnet jetzt live spielen?
Das Timing ist kein Zufall. Cardini und Shonky spielen am 29. August ein All-Night-Set im Rex Club in Paris, direkt am Tag nach dem Erscheinen der Neuauflage, und geben der remasterten Version damit ihren ersten echten Auftritt auf einem Dancefloor, der Cardinis Sets seit Jahren beherbergt. Für eine Labelchefin, die ihren eigenen Track neu veröffentlicht, gibt es keinen besseren Test, als live zu sehen, wie ein Raum darauf reagiert.



