Wie stellt ein Label in 24 Stunden ein 32-Track-Album zusammen?
Mammboh Rhythms Records ist ein kleines Techno-Label aus Medellín, das sich um das dreht, was die Gründer andine und folkloristische Techno nennen: regionale Rhythmen und Instrumentierung unter clubtauglichen Produktionen. Als am 10. August 2026 ein Beben der Stärke 7,4 den Westen Kolumbiens traf, mehr als 280 Menschenleben forderte und über 10.500 Häuser zerstörte, warteten die Mitgründer von Mammboh Rhythms Records, Sons Of Hidden und Serge André, nicht auf einen Spendenmarathon oder einen Charity-Slot bei einem Festival. Sie riefen ihr Netzwerk auf und hatten innerhalb von 24 Stunden Zusagen von mehr als 30 Produzenten aus der Underground-Szene. Das Ergebnis, "United for Colombia", erschien am 12. August auf Bandcamp, nur zwei Tage nach dem Beben: 32 Tracks, unter anderem von Obscure Shape, Brennen Grey, Lars Huismann, Frazi.er, Isaiah, Janein, Ricardo Garduno, Fresko und Milena Adamis, neben Sons Of Hidden und Serge André selbst.
Wohin fließt das Geld wirklich?
100 Prozent der Erlöse sind für geprüfte Hilfsorganisationen vor Ort reserviert, mit Priorität auf Chocó, der Region am Epizentrum, sowie Pereira und Cali. Ein Teil ist gezielt für kolumbianische Artists und Produzenten reserviert, die durch das Beben ihr Zuhause verloren haben, ein Detail, das dieses Projekt von einer beliebigen Charity-Compilation unterscheidet: Das Label finanziert direkt den Wiederaufbau der eigenen Community, nicht einen vagen Spendenaufruf. Das Album kostet ab 17,50 Euro bei Bandcamp, nur digital, in 24 Bit.
"Das ist einer dieser Momente, in denen wir als Community die Werte zeigen, auf denen das Fundament unserer Bewegung aufgebaut wurde." (Sons Of Hidden)
Was sagt das über die Szene in Kolumbien aus?
Die Techno- und House-Szene in Medellín hat das letzte Jahrzehnt damit verbracht, sich international Anerkennung zu erarbeiten, ohne die Infrastruktur oder die von Investmentfonds gestützten Labels, die Szenen wie Berlin oder London tragen. "United for Colombia" ist ein Belastungstest für dieses Netzwerk, und es hat gehalten: Produzenten weit außerhalb Kolumbiens, etwa der Deutsche Lars Huismann, lieferten fertige Tracks innerhalb eines Tages für ein Label, das die meisten von ihnen wohl über Bandcamp oder eine Gruppenchat-Nachricht kennengelernt haben, nicht über einen Booking-Agenten. Das ist die eigentliche Geschichte: gegenseitige Hilfe, die über den Veröffentlichungsplan eines kleinen Labels läuft, schneller als die meisten NGOs agieren.



