Warum dreizehn Jahre Pause?
Das KP3+ kam 2013 auf den Markt und stand danach jahrelang fest auf DJ-Ridern und Live-Backlines. Dann Stille. Software-Synthesizer wurden besser, DAWs mächtiger, und der Grund, ein dediziertes Hardware-Effektgerät mitzuschleppen, schmolz dahin. Korg beobachtete den Wandel und wartete offenbar auf den richtigen Moment. Das Kaoss Pad V ist die Antwort auf eine Frage, die niemand laut gestellt hat: Haben Hardware-Effekte in der Ära des Laptops und Abletons noch eine Daseinsberechtigung?
Die ehrliche Antwort, gemessen an dem, was das KP-V tatsächlich leistet: Ja, wenn die Hardware so leistungsfähig ist wie diese. Die eigentliche Frage ist, ob Korg genug getan hat, um die Wartezeit zu rechtfertigen.
Was ändert Dual-Touch konkret für Live-Performer?
Seit dem ersten Modell hat jedes Kaoss Pad nur einen Berührungspunkt erkannt: ein Finger, eine X-Position, eine Y-Position, ein Effekt. Das KP-V bricht diese Einschränkung auf. Zwei Finger gleichzeitig auf dem Pad bedeuten zwei unabhängige Effektvektoren zur gleichen Zeit: eine Ecke ziehen, während man die Mitte zwickt, einen Tiefpassfilter auf einer Achse durchfahren, während man auf der anderen den Hall-Anteil moduliert. Für Live-Auftritte ist das ein echter Fortschritt. Kein Gimmick; die Geste als Ausdrucksmittel bekommt ein völlig neues Vokabular.
Der Voice-FX-Motor ist die andere substanzielle Neuerung. Pitch-Shifting und Harmonizer waren zu erwarten, doch MIDI per Stimmsteuerung ist das Interessanteste: Die Stimme des Performers wird zum Controller, der Tonhöhe oder Dynamik auf Parameter anderswo in der Signalkette abbildet. Für Vokalisten, die auch Live-Produktion betreiben, ist das eine echte Bereicherung. Der symmetrische Mikrofon-Vorverstärker, kombiniert mit gleichzeitigem Line- und USB-Audio-Eingang samt internem Mixing, platziert das KP-V im Zentrum eines Bühnen-Rigs, nicht an seinem Rand.
Auch das Sampling überzeugt: bis zu 8 Takte mit BPM-Sync, Slicing und Step Hold für rhythmische Stutter. Die 300 Patches (200 Werkssounds, 100 Nutzer) liefern vom ersten Start an eine brauchbare Bibliothek.
Das Dual-Touch-Pad ist das Upgrade, auf das Live-Performer seit 2013 gewartet haben. Die Anschlüsse sind der Kompromiss, mit dem sie leben müssen.
Sind 649 Dollar gerechtfertigt?
Mit 210 mm × 226 mm × 49 mm und rund 1,3 kg ist es kompakt genug für eine Gig-Tasche und robust genug, um ihm auf der Bühne zu vertrauen. Der Hi-Z-Eingang für Gitarre und Bass macht eine separate DI-Box überflüssig. Das integrierte USB-Audiointerface ist ein Element weniger auf dem Tisch. Für ein Gerät, das wirklich mehrere Rollen vereint (Effektprozessor, Voice-Prozessor, Sampler, Audiointerface), bewegt sich der Preis für professionelle Performer in einem vertretbaren Rahmen.
Bei den Anschlüssen verliert Korg das Argument. USB-B 2026 heißt: ein spezifisches Kabel mitführen, das man garantiert irgendwann vergisst. Cinch-Ausgänge 2026 setzen das KP-V in Widerspruch zur Infrastruktur, auf der die meisten modernen DJ-Setups aufgebaut sind. Das sind keine Überreste eines alten Designs; es ist ein neues Produkt, das mit bereits bei der Ankündigung veralteten Anschlüssen ausgeliefert wird. Korg weiß es besser. Es wirkt wie eine Kostenentscheidung, verkleidet als Reverenz an die Tradition, und die Leute, die dieses Gerät in Clubs einsetzen, werden es sofort merken.



