Wer ist Lilya Mandre, und wie kommt eine DJ aus Casablanca in Ibizas größten Raum?

Lilya Mandre wurde in Casablanca, Marokko, geboren und wuchs dort auf. Sie hat sich einen Namen gemacht, indem sie sich unbekümmert zwischen Deep House, Melodic House, Minimal, Indie Dance und Techno bewegt. Sie hat im MOGA, im Stereobar in Montreal, in La Clairière und beim Picnik Électronique in der Pariser Szene, bei Day Zero, im KOKO und im Club Chinois gespielt und laut dem Beatportal-Porträt vom August 2026 Unterstützung von Chris Stussy, HAAi, Kettama, Mama Snake und Roza Terenzi bekommen. Auch Keinemusik hat sie gebucht. Nichts an diesem Werdegang klingt nach dem typischen Lebenslauf einer Ibiza-Residentin. Genau das macht die Sache interessant.

In diesem Sommer ist Mandre laut Beatportal, das sie unter die acht Newcomer des Monats gewählt hat, Residentin neben Damian Lazarus im Club Room des Hï Ibiza. Ein solches Booking geht normalerweise an jemanden, der längst Teil der Ibiza-Maschinerie ist.

Warum ist ihre Crosstown-Rebels-Signing hier relevant?

Mandre veröffentlicht bei Crosstown Rebels, dem Label, das Lazarus 2003 gegründet hat und bis heute leitet, Heimat von Bedouin, Hunter/Game und seinem eigenen Katalog. Ihre Single "Exi(s)t" erschien 2025 auf dem Label, nach einer früheren Veröffentlichung, "Harper", bei KOOKOO Records, sowie Credits bei Diynamic, Mind of a Genius und IN/ROTATION (Insomniac).

Das ist kein Zufall. Lazarus hat seine Samstagabend-Residency im Hï Ibiza, mittlerweile im vierten Jahr in Folge und jede Woche vom 17. Mai bis zum 4. Oktober 2026 angesetzt, schon früher als Bühne für Künstlerinnen und Künstler seines eigenen Labels genutzt. 2024 holte er den Berliner Produzenten Patrick Mason für ein reines House-Set im Temple des Raums und beschrieb ihre kreative Beziehung in einem Hï-Ibiza-Interview als "so etwas wie ein erstes Date". Mandres Slot folgt demselben Muster: ein Labelchef mit eigenem Raum, der ihn nutzt, um seine eigenen Signings vor ein Publikum zu bringen, das sie sonst nicht zu sehen bekommt.

Was sagt das darüber aus, wer Zugang zu Ibizas größten Bühnen bekommt?

Das unterstützende Line-up im Club Room rund um Lazarus bestand bislang eher aus Namen wie Rosey Gold, OMRI. und Cristian Viviano als aus einer Reihe bereits etablierter Headliner. Diese Struktur, ob bewusst gewählt oder nicht, ist einer der wenigen Zugänge zu Ibizas Top-Clubs, der nicht erst jahrelange Sichtbarkeit auf dem Festival-Circuit voraussetzt. Dass eine marokkanische Künstlerin dort landet, getragen von einer Label-Signing und einer Reihe von Empfehlungen und nicht von einem algorithmusfreundlichen viralen Moment, sagt einiges darüber aus, woher die nächste Welle an House-Talenten tatsächlich kommt, und das ist eben nicht nur Berlin, London oder Los Angeles.

"Ihr Sound ist gemacht für Räume, die genauso viel Gefühl wie Funktion wollen.", Beatportal, August 2026