Was genau hat Love Family Park veröffentlicht?
Im Vorfeld seiner 30-Jahre-Jubiläumsausgabe hat Love Family Park begonnen, im eigenen Archiv zu graben. Das Frankfurter Festival, 1996 gegründet, hat eine Reihe namens "Lost Tapes" gestartet: bislang ungehörte DJ-Sets aus seiner Geschichte, erstmals veröffentlicht auf den offiziellen SoundCloud- und YouTube-Kanälen. Den Auftakt macht ein Vinyl-Set von Ricardo Villalobos, live bei Love Family Park 2016 aufgenommen.
Ein zweites Band folgte fast unmittelbar: ein Set von Nina Kraviz, 2013 beim Festival aufgenommen, in jener Zeit, als sie gerade zu dem Namen wurde, der ein Jahrzehnt Techno prägen sollte. Das Festival stellt beide Aufnahmen als Bänder dar, die bis jetzt im eigenen Tresor lagen, nicht als die wackeligen Publikumsaufnahmen, die seit Jahren auf YouTube kursieren.
Warum zählen ein Set von 2016 und eines von 2013 gerade zusammen?
Weil sie das Archiv an beiden Enden der turbulentesten Phase von Love Family Park verankern. Das Festival startete 1996 auf den Mainwiesen in Hanau (damals noch als "Love Park", ein Jahr später wegen eines Namensstreits umbenannt), blieb dort bis 2013 und zog dann aus Naturschutzgründen von 2014 bis 2016 auf das Messegelände Mainz-Hechtsheim um, jene Ära, aus der das Villalobos-Band stammt. Ein Streit mit dem Grundstückseigentümer ließ die Ausgabe 2017 komplett ausfallen, das Festival siedelte 2018 und 2019 nach Rüsselsheim um, dann legte Corona es drei Jahre lang lahm. Erst 2023 kehrte es zurück, und erst seither liegt sein fester Standort im Frankfurter Rebstockpark. Zwei Bänder, von zwei verschiedenen Adressen mit zehn Jahren Abstand, das ist das Festival, das seine eigene Geschichte erzählt, statt diese Aufgabe irgendwem zu überlassen, der zufällig aus dem Publikum heraus mitgefilmt hat.
Ein Festival, das in dreißig Jahren viermal umgezogen ist, hat gerade entschieden, dass die eigenen Mitschnitte, nicht die vom Handy geklauten, die Version sind, die es zu bewahren lohnt.
Wie geht es weiter?
Love Family Park kündigt an, dass in den "kommenden Wochen" weitere Sets aus dem Archiv folgen, Namen werden noch nicht genannt. Das Jubiläumswochenende selbst, am 25. und 26. Juli 2026 im Rebstockpark, schließt den Kreis: Villalobos ist als Live-Act gebucht, neben Sven Väth, Charlotte de Witte, Solomun, Chris Liebing und einem noch nicht enthüllten Überraschungsgast. Für ein Festival, das auf Picknickdecken und einem ungewöhnlich treuen Publikum aufgebaut ist, liegt genau darin die eigentliche Wette hinter Lost Tapes: dreißig Jahre Nostalgie um heimlich weitergereichte Bänder in dreißig weitere Jahre zu verwandeln, in denen die Leute wiederkommen.



