Einunddreißig Jahre ist eine seltsame Zahl zum Feiern. Kein rundes Jubiläum, keine Marketingkampagne wert, niemand plant etwas Großes um dieses Datum herum. Genau deshalb sagt die 31. Ausgabe des Loveland Festival, die am 8. und 9. August 2026 im Sloterpark in Amsterdam stattfand, mehr über das Event aus als ein glanzvolles 30-jähriges Jubiläum es je könnte. Bis 31 in Amsterdam durchzuhalten, einer Stadt, die seit einem Jahrzehnt Lärmschutzauflagen und Genehmigungen für Open-Air-Events immer weiter verschärft, ist schon für sich genommen eine Leistung.
Was trug das Line-up eigentlich?
Ohne die großen Namen liest sich das Line-up 2026 wie das eines Techno- und Tech-House-Puristen. Rødhåd und Robert Hood, zwei der kompromisslosesten Bookings des Genres, spielten neben Bart Skils, Ben Klock und Chris Liebing auf den härteren Bühnen. Die House-Seite stand dem nicht nach: Denis Sulta, Kölsch, Franky Rizardo, Jamie Jones und Joris Voorn trugen ein Programm, das für ein Publikum gemacht ist, das den Unterschied zwischen einem Tech-House-Set und einem EDM-Mainstage-Set tatsächlich kennt.
Fatboy Slim, Eric Prydz und Sven Väth waren ebenfalls dabei, und genau diese Namen bringen Loveland in die Mainstream-Listings. Aber unter 72 Künstlern an zwei Tagen waren sie nur drei Namen in einem Programm, das vor allem um das Genre herum gebaut ist, das Loveland seit 1995 vertritt: House und Techno, nicht Electronic Dance Music für die große Bühne.
Der eigentliche Headliner von Loveland ist jedes Jahr schlicht die Tatsache, dass es das Festival überhaupt noch gibt.
Warum zählt es, 31 Jahre in Amsterdam durchzuhalten?
Amsterdam ist keine einfache Stadt, um ein Open-Air-Rave zu veranstalten. Park-Events unterliegen Kapazitätsgrenzen, strengen Sperrstunden und einem Genehmigungsverfahren, das mehrere altehrwürdige niederländische Partys im letzten Jahrzehnt zum Umzug oder zur Aufgabe gezwungen hat. Ein Festival, das seinen Standort behält, eine Kapazität nahe 30.000 hält und einunddreißig Jahre nach seiner Gründung immer noch so tief im Underground bucht, lebt nicht von Nostalgie. Es ist der Beweis, dass ein Veranstalter Stadt und Szene gleichzeitig bei der Stange halten kann, was vielen neueren Open-Air-Events in Westeuropa nicht gelungen ist.
Wie geht es mit diesem Format weiter?
Das Loveland-Modell, ein Park an einem See, eine auf zwei Tage verteilte Kapazität, ein Line-up zwischen kommerziellen Zugpferden und wirklich underground gebuchten Acts, ist heute das Schema, an dem sich viele europäische Open-Air-Festivals orientieren, während die Genehmigungen überall strenger werden. Ob es diese Balance über die 31. Ausgabe hinaus halten kann, ist die eigentliche Geschichte hier, nicht die Jubiläumszahl.



