Die meisten Festivals engagieren einen Booker, der ein Line-up füllt, der den gerade angesagten Namen hinterherjagt. Das Maiden Voyage Festival macht es anders, und genau das ist die eigentliche Geschichte hinter seiner siebten Ausgabe im Burgess Park an diesem Samstag.
Statt dass ein einziges Team vier Bühnen bucht, übergibt Maiden Voyage jede Bühne komplett an ein Kollektiv, das in London bereits seine eigene Nacht veranstaltet: UNFOLD, Live From Earth und HOWL WORLDWIDE verantworten je eine Bühne von A bis Z, mit eigenen Artists, eigener Reihenfolge, eigenem Publikum. Das ist weniger ein Line-up als vier Partys, die parallel in einem Park stattfinden, ein Open-Air-Tag ab 18 Jahren, der Footwork, Jungle, Electro und Techno abdeckt, angeführt von SHERELLE, Helena Hauff und Yaeji, neben TYGAPAW, HAAi, Job Jobse, D. Tiffany, LSDXOXO, Confidence Man, DJ Heartstring, Jyoty und Voicedrone.
Warum ist dieses Modell aus einem Kollektiv pro Bühne wichtig?
Wer schon einmal wirklich eine Party in London veranstaltet hat, kennt den Unterschied zwischen einem Slot auf der Nacht eines anderen und einer ganzen Bühne, die man selbst bespielen darf. Ersteres ist ein Zeitfenster, Letzteres ist Vertrauen, und das ist in Festivalgröße selten. Die Struktur von Maiden Voyage bedeutet, dass das Publikum der HOWL-Bühne die tatsächliche Programmlogik von HOWL bekommt, nicht die Vermutung eines Festivalveranstalters darüber, was dieses Publikum hören will. Genau das reicht über London hinaus: Ein Festival, das Kuratierung an jene delegiert, die die Szene, aus der es sein Publikum zieht, selbst aufgebaut haben, statt sie zu zentralisieren, bucht meist besser und wirkt vor Ort ehrlicher.
Was bringt das zehnjährige Jubiläum von Pxssy Palace dazu?
Dass Pxssy Palace die Hauptbühne übernimmt, ist keine bloße Buchung, sondern ein Meilenstein. Das Kollektiv, seit 2016 rund um queere, trans und of colour geprägte Londoner Nächte aufgebaut, macht seit einem Jahrzehnt genau das, worauf das gesamte Festivalformat basiert: Räume nach eigenen Bedingungen zu gestalten, statt um Einlass in fremde zu bitten. Die Hauptbühne zum zehnten Jubiläum zu übernehmen bedeutet, dass das Festival seine größte Plattform an das Kollektiv übergibt, dessen Ansatz den ganzen Tag geprägt hat. Für eine Szene, die ständig darüber diskutiert, wer buchen darf und wer gebucht wird, verdient das, als das gewürdigt zu werden, was es ist, nicht als Fußnote in einem Line-up.
Vier Kollektive, ein Park, kein zentraler Booker, der alles entscheidet. Das ist der Ansatz, und er ist seltener, als er sein sollte.
Der Burgess Park beherbergt Maiden Voyage seit den frühesten Ausgaben, und das Format hat sich gehalten: kein einzelner dominanter Headliner, der alles überstrahlt, kein nach Suchvolumen gestapeltes Line-up. Es ist eine Momentaufnahme davon, wie Londons Underground tatsächlich klingt, wenn die Menschen, die ihn tragen, den Raum bekommen, ihn selbst zu gestalten.



