Was genau ist der Miltone 4EXP?
Miltone, eine französische Werkstatt, eher bekannt für die Restaurierung alter Synthesizer, hat einen vollständigen Hardware-Nachbau des Oberheim Four Voice gebaut. Der 4EXP ist kein digitales Modell und kein Billig-Klon. Er übernimmt die Schaltungstopologie und die Originalbauteile, und wie die Maschine aus den 70ern sind es vier eigenständige Oberheim-SEM-Module unter einer gemeinsamen Steuersektion. Jedes Gerät wird auf Bestellung gebaut, nummeriert und mit gedrucktem Benutzer- und Servicehandbuch geliefert. Vorerst spricht er nur CV/Gate, MIDI ist für später angekündigt.
Warum kostet ein Nachbau so viel wie ein Gebrauchtwagen?
Weil er einer handgebauten Neuauflage näher ist als einem Klon. Der originale Four Voice, den Tom Oberheim Mitte der 70er zusammenbaute, ist einer der seltensten und teuersten amerikanischen Polysynths auf dem Vintage-Markt, ein Instrument, das wie ein Sammlerstück gehandelt wird. Miltones Antwort ist, ihn richtig nachzubauen: Schaltungen nach Originalspezifikation, echte Bauteile, eine auf 50 Stück limitierte erste Serie. Die Aluminium-Version liegt bei 9.990 Euro zzgl. MwSt., die Tolex-Edition bei 11.990. Das ist kein Tippfehler, und der Versand kommt obendrauf.
Und was bleibt für den Rest von uns?
Hier liegt die Spaltung der Vintage-Poly-Welt offen. Auf der einen Seite originalgetreue Boutique-Neuauflagen wie der 4EXP, die Klang und Haptik exakt am Leben halten, für alle, die zahlen können. Auf der anderen massentaugliche Billig-Klone und Software-Emulationen, die eine Version der SEM-Stimme für einen Bruchteil in jedes Schlafzimmer bringen. Der Oberheim-Sound hat einen riesigen Teil der elektronischen Musik geprägt, und er lebt heute an diesen beiden Extremen, fast nie in einer bezahlbaren Mitte.
Schaltungen wie früher, echte Bauteile, 50 Stück. Das ist Bewahrung zum Luxuspreis.



