Wie wird ein DJ hier überhaupt ausgewählt?

Die Bewerber reichen ein 60-sekündiges Video ein, in dem sie erklären, warum sie antreten sollten, zusammen mit einem 15-minütigen Mix auf SoundCloud. Aus diesem Pool werden 30 in die engere Auswahl genommen, und sechs DJ-Mentoren, Fish56Octagon, Sam Divine, G33 (Girls Don't Sync), Mak10, Jakkob und Sian Owen, wählen jeweils einen Teilnehmer aus, den sie bis ins Finale coachen. Das Ganze läuft live auf Twitch, eine 12-stündige Übertragung aus The Box, dem Hauptraum von Ministry of Sound, am 13. September, wobei das Ergebnis per Live-Publikumsabstimmung entschieden wird und nicht von einer Jury hinter verschlossenen Türen.

Worum geht es hier eigentlich?

Um mehr als nur Prestige: Der Gewinner bekommt eine echte Residency bei einer der bekanntesten Club-Marken der House-Musik, dazu 25.000 Pfund Sterling in Equipment, Studiozeit und Künstlerförderung, also genau die Art von Rückenwind, für die man sonst normalerweise jahrelang unbezahlte Support-Slots spielen müsste. Bewertet werden die Teilnehmer außerdem in Booth-Etikette und Publikumsführung, nicht nur in der Mixing-Technik, Ministry of Sound testet damit ausdrücklich genau die unglamourösen Seiten des Jobs, die in keinem SoundCloud-Mix zu hören sind.

Ist das nur eine Castingshow, oder löst es tatsächlich ein Problem?

Die Pipeline für Resident-DJs ist dünner geworden, weil Clubs Kosten sparen und lieber auf tourende Headliner setzen, statt eigenes House-Talent von Grund auf aufzubauen. Dass eine große Marke öffentlich wieder in genau diese Pipeline investiert, inklusive Mentoren, ist eine seltene Gegenbewegung, die man im Auge behalten sollte, auch wenn sich das Livestream-Format eher an Reality-TV orientiert als an der Art und Weise, wie Residencies traditionell entstanden sind, Support-Set für Support-Set.

„Es gibt so viele großartige Künstlerinnen und Künstler da draußen, die einfach nur die Chance brauchen, gesehen zu werden“, sagt Caitlin McAllister, Geschäftsführerin von Ministry of Sound.