Was hat das DNA tatsächlich verkündet?
Das DNA hat die Nachricht am 13. Juli ohne Vorwarnung auf Instagram gepostet: Der Club schließt Ende September, keine drei Jahre nach der Eröffnung im Werksviertel im Dezember 2023. Im Statement stand der Satz, der mittlerweile unter Münchner Veranstaltern die Runde macht: "DNA war nie nur ein Raum. Das DNA waren die Menschen darin." Eine weitere Zeile fasste die drei Jahre so zusammen: "Drei Buchstaben, drei Jahre. Eine Geschichte, die größer geworden ist, als wir sie uns am Anfang vorstellen konnten." Kein Vermieter wurde benannt, keine Mietsumme genannt, kein Streit erwähnt. Auf 190 Quadratmetern für 400 Gäste hatte das DNA ein wirklich breites Booking aufgebaut: Kobosil und Thomas Schumacher neben Hardgroove- und Trance-Stammgästen wie Victor Ruiz und Radical Redemption, dazu Fast-House-Sets von Namen wie Marlon Hoffstadt. Diese Bandbreite ist mit ein Grund, warum die Schließung über die Stammgäste hinaus wehtut, das war keine Ein-Genre-Nische, sondern ein Raum, der ein ganzes Spektrum tatsächlich unter einem Dach zusammenhielt.
Warum verliert München zwei Technoclubs im selben Jahr?
Sechs Monate zuvor hatte das Blitz bestätigt, dass es sein Zuhause in der ehemaligen Kongresshalle des Deutschen Museums auf der Museumsinsel aufgibt, einen Raum, den es neun Jahre lang ausgebaut und betrieben hatte. Dafür gibt es tatsächlich eine dokumentierte Begründung: Das Museum wollte die Fläche für Umbauarbeiten im sogenannten Forum der Zukunft zurück, bot an, den Mietvertrag unter geänderten baulichen Bedingungen fortzuführen, und die Blitz-Betreiber lehnten ab. Das Abschiedswochenende ist vom 31. Juli bis 3. August, und das Team betont, bereits an einer neuen Münchner Adresse zu arbeiten, statt einfach zu schließen. Der Fall DNA liest sich anders. Kein Museum, keine genannten Umbauten, keine geänderten Konditionen auf dem Tisch, nur Schweigen im Gewand von Emotion. Dass zwei der größten Technoclubs der Stadt innerhalb weniger Monate gehen, der eine mit dokumentiertem Grund, der andere ohne, ist kein Zufall, den die lokale Szene als Kleinigkeit abtut.
Hatte das Werksviertel das schon einmal?
Ja, und das mehrfach. Das Gelände an der Atelierstraße, das das DNA belegte, liegt auf dem alten Pfanni-Fabrikgelände, genau der Ecke Münchens, die in den Neunzigern Ultraschall, KW Das Heizkraftwerk und das Natraj Temple trug, Clubs, die bis heute als Grund gelten, warum das Werksviertel überhaupt als Techno-Boden zählt. Auch diese Läden haben irgendwann alle geschlossen. Die drei Jahre des DNA passen in ein altes Muster auf genau diesem Grundstück: Ein vielversprechender Club eröffnet in billigem Industrieraum, baut sich ein Publikum auf, verliert dann das Gebäude, sobald das Umfeld an Wert gewinnt. Das Werksviertel ist heute ein durchgehend corporate geprägtes Mischgebiet, Büros, ein Warner-Bros-Themenpark, Hotels, gebaut um dieselben Club- und Markthallen, die dem Viertel überhaupt erst sein Profil gaben.
Was bedeutet das jetzt für die Szene?
An Nachfrage mangelt es München nicht, DNA und Blitz füllten an einem normalen Abend die Floors. Was der Stadt weiter verloren geht, ist der physische Raum für diese Nachfrage. Das Blitz versucht wenigstens umzuziehen, statt einfach aufzugeben. Das DNA hat nicht gesagt, ob "in seiner aktuellen Form" bedeutet, dass die Marke woanders neu startet oder einfach endet. So oder so hat München binnen eines Jahres zwei seiner größten Technoclubs verloren, und die verbliebenen Veranstalter sind es, die reisenden DJs erklären müssen, warum die Stadt immer wieder Räume verliert, die sie nachweislich füllen kann.



