Was ist Peaktime genau, und woher kommt es?
Peaktime ist eine datengetriebene DJ-Ranking-Plattform, die am 18. Juni 2026 von Ben Faricy, einem Spezialisten für Daten und Produktentwicklung, gestartet wurde. Sie ist unter thedjrankings.com erreichbar und aktualisiert sich täglich, indem sie 13 gewichtete Signale aus 12 Branchenquellen zusammenführt: Resident Advisor, Songkick, Beatport, 1001Tracklists, Spotify, YouTube, TikTok, Google Trends, Wikipedia und weitere.
Die Plattform listet über 300 House-DJs und verwandte Genres. Sie trennt nach Genre (House vs. Techno), zeigt aufsteigende Künstler in einer eigenen Kategorie und bietet stadtspezifische Ansichten für Berlin, London, Amsterdam, Ibiza und New York. Für Booking-Agenturen gibt es zudem einen auf Preis-Leistung ausgerichteten Filter.
Die beiden schwersten Kriterien, die zusammen 41 % der Gesamtgewichtung ausmachen, sind die Live-Booking-Nachfrage und das, was Peaktime Szeneglaubwürdigkeit nennt. Als Glaubwürdigkeitssignale gelten unter anderem: Sets bei Boiler Room und Cercle, Bookings im Berghain und im fabric, Festival-Closings, Verbindungen zu angesehenen Labels, Residencies in Ibiza und Appearances im Essential Mix von BBC Radio 1. Streaming-Zahlen werden bewusst gering gewichtet, um Verzerrungen durch Marketingbudgets zu vermeiden.
Warum ist das jetzt relevant?
Weil die Szene seit neun Jahren ohne eine glaubwürdige universelle Benchmark dasteht. Resident Advisor betrieb seinen DJ Poll von 2006 bis 2016, elf Jahre lang war er die unabhängigste Messgröße für echtes Standing im Underground. Dixon gewann die letzte Ausgabe 2016. RA zog im November 2017 den Stecker, mit Verweis auf fehlende Diversität, geografische Konzentration an der Spitze und den Vertrauensverlust in Fan-Abstimmungen als sinnvolle Metrik.
Nichts hat diese Lücke seitdem mit echter Autorität gefüllt. Beatport-Charts werden durch Promotionsbudgets beeinflusst. Spotify-Hörerzahlen belohnen Mainstream-Reichweite, nicht Szeneglaubwürdigkeit. Beides sind legitime Metriken für das, was sie messen. Keine davon sagt einem Berliner Booker, welcher Künstler in den Clubs, die wirklich zählen, gerade wirklich gefragt ist.
Genau dieses Problem will Peaktime lösen.
Hält die Methodik, was sie verspricht?
Auf dem Papier ist es der bislang öffentlich rigoroseste Ansatz. Die Transparenz ist echt: Die Gewichtungsstruktur ist vollständig veröffentlicht. Die 41 %, die auf Booking-Nachfrage und Szeneglaubwürdigkeit entfallen, zeigen eine bewusste Entscheidung: Das Ranking soll sich daran orientieren, was in Clubs tatsächlich passiert, nicht an Streaming-Dashboards oder Chart-Farmen.
Die Abzugsregel für Datenvollständigkeit ist bemerkenswert. Jeder Künstler mit einer Datenvollständigkeit von unter 75 % über alle 13 Signale bekommt bis zu 20 % Abzug auf seinen Endwert. Das ist eine ehrliche Anerkennung der eigenen Datengrenzen.
Und dann ist da FISHER. Neunzehn Komma eins Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Auf Platz 7 gelistet. Diese Zahl allein verteidigt die Methodik besser als jede Pressemitteilung. Ein Ranking, das Streaming an seinen richtigen Platz setzt, statt es alles dominieren zu lassen, wird Ergebnisse liefern, die Außenstehende überraschen. ANOTR und Prospa ganz oben, Charlotte de Witte und Peggy Gou im Rennen: Das ist eine Liste, die aussieht wie der reale Circuit, nicht wie ein Algorithmus.
Ein Ranking, das FISHER trotz 19,1 Millionen Spotify-Hörern auf Platz 7 setzt, verteidigt eine klare Haltung darüber, was der Underground wirklich bewertet.
Was bleibt noch zu beweisen?
Die Plattform ist einen Tag alt. Kein großes Branchenmedium hat die Methodik bislang unabhängig geprüft. Die Gewichtungsstruktur ist öffentlich, was genau die richtige Entscheidung ist, aber die kritische Auseinandersetzung mit einem Ranking-System braucht Zeit und Akzeptanz. Faricy hat die richtigen strukturellen Entscheidungen getroffen. Die Frage ist, ob Promoter, Agenturen und Presse Peaktime als Referenz behandeln oder als Kuriosität.
Die Szene hat gute Gründe, Ranking-Systemen gegenüber skeptisch zu sein. Neun Jahre ohne glaubwürdige Benchmark haben Gewohnheiten geschaffen. Dass Branchenleute Peaktime zitieren, statt ihr eigenes Netzwerk oder das RA-Archiv zu bemühen, ist ein längerer Weg, als ein Pressemitteilungs-Launch zurücklegen kann.



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