Was ist in Venezuela passiert, und warum spielt eine Compilation eine Rolle?

Zwei Erdbeben mit einer Stärke von über 7,2 erschütterten am 24. Juni den Norden Venezuelas, töteten mehr als 3.300 Menschen, verletzten über 16.700 weitere und vertrieben Zehntausende, mit den schwersten Schäden rund um La Guaira bei Caracas. Fünfzehn Tage später, am 9. Juli, veröffentlichte eine Koalition venezolanischer und lateinamerikanischer elektronischer Künstler PULSO I, eine Compilation mit 36 Tracks, auf Bandcamp, wobei jeder Cent der Nettoeinnahmen direkt in die medizinische Notfallhilfe vor Ort fließt.

Wer steckt hinter PULSO I?

DJ Babatr, der Produzent aus Caracas, der weithin als einer der Begründer des Raptor House gilt (jener harten, schnellen, zutiefst venezolanischen Spielart der elektronischen Tanzmusik, auch bekannt als Changa Tuki, entstanden aus der Barrio-Partykultur von Caracas), steuerte den Track "A Go Go Time (Go)" bei. An seiner Seite stehen Rainmaker, Bclip, Pablo Mayorga, AMANTRA, DJ Maybe, Freebot, Confidential Recipe und knapp hundert weitere Künstler über die gesamte geplante dreiteilige Reihe hinweg, wobei jeder künftige Teil einer anderen Hilfsorganisation zugutekommen soll (WOST, CRRDR, Entrañas und Gaszia sind bereits für kommende Ausgaben benannt). Es gibt bewusst keinen einzelnen benannten Organisator: Das Projekt versteht sich selbst als ohne zentrale Führung koordiniert.

Wohin fließt das Geld tatsächlich?

100 Prozent der Nettoeinnahmen, nach Abzug der Gebühren von Bandcamp und der Zahlungsabwicklung, gehen an die Fundacion Proyecto Maniapure, eine UN-Partnerorganisation, die derzeit in La Guaira medizinische Notfallversorgung leistet und Hilfsgüter verteilt. Die Organisatoren haben sich verpflichtet, wöchentliche Spendenberichte über ein öffentliches Transparenzarchiv zu veröffentlichen, ein für eine Benefiz-Compilation ungewöhnliches Maß an offener Buchführung, das ausdrücklich darauf angelegt ist, genauer Prüfung standzuhalten und sich nicht nur auf guten Willen zu verlassen.

"Die auf dieser Compilation versammelte Musik soll nicht als Werbeschau dienen, sondern als Werkzeug zur Spendensammlung."