Warum beginnt ein Rave-Film mit Politik?

Die Ansage von Goldie und den anderen ist schlicht und ein bisschen provokant: Der Rave fiel nicht vom Himmel, er kam aus den Trümmern. Der Film verortet seine Geschichte in einem Großbritannien, das von Deindustrialisierung, Massenarbeitslosigkeit und dem langen Kater der Thatcher-Jahre ausgehöhlt war, in dem ganze Städte ihren Grund verloren hatten, morgens zu stempeln. Fabriken und Lagerhallen blieben landauf, landab dunkel. Eine Generation ohne Arbeit besaß dafür etwas, das ein Job ihr genommen hätte: Zeit, und einen Grund, sich nach Einbruch der Dunkelheit eine eigene Welt zu bauen.

Diese Welt war aus Not selbst gemacht. Piratensender spielten, was die BBC verweigerte. White Labels brachten die Platten in Umlauf, die kein Laden führte. Aus den verlassenen Lagerhallen wurden die Säle, und aus der Ringautobahn M25 die Route zu Feldern voller Soundsystems. Nichts davon fragte um Erlaubnis.

Welcher Sound kam aus dem Zusammenbruch?

Die Musik war eine Elsterbeute. Der Film zeichnet Breakbeat als Zusammenstoß dreier importierter Ideen nach: die Maschinenpräzision des Detroit-Techno, die Wärme und der Gospel-Schub des Chicago-House und die aggressive Schnitttechnik des New Yorker Hip-Hop. Beschleunigt, zerhackt und auf billigen Samplern neu verdrahtet, verhärtete sich diese Mischung zu britischem Hardcore und teilte sich dann in den Jungle von Fabio und DJ Hype und in den Drum and Bass, den Goldie ins Massenpublikum tragen sollte. Drumherum lagen der Rave-Pop von Altern-8 und The Prodigy und die langen, melodischen Steigerungen von Orbital.

Als die Gesellschaft zerbrach, übernahm die elektronische Musik.

Die Liste der Mitwirkenden liest sich wie eine Oral History der Zeit: Goldie, Fabio, DJ Hype, General Levy und The Ragga Twins von der Jungle-Seite, Orbital, Leeroy Thornhill von The Prodigy, Altern-8 und Slipmatt von der Rave- und Hardcore-Seite. Es sind die Leute, die dabei waren, und sie erzählen, bevor die Erinnerung verblasst.

Warum diese Geschichte gerade jetzt erzählen?

Weil der Druck zurück ist. Das britische Nachtleben verliert wieder Spielstätten, unabhängige Clubs schließen, ganze Städte werden zu dem, was Aktivisten Gig-Wüsten nennen, und eine Generation wird erneut über die Preise von der Tanzfläche verdrängt. Ein Film darüber, wie eine abgehängte Generation aus dem Nichts etwas aufbaute, klingt 2026 anders, da jene, die Clubs betreiben, die Regierung um genau den Schutz bitten, den Deutschland seinen eigenen gerade gewährt hat. Auch die Pioniere werden älter, und eine Oral History funktioniert nur, wenn man sie aufzeichnet, solange die Stimmen noch da sind.