Was hat sich beim Rave Preservation Project geändert?
Dreizehn Jahre lang war das Rave Preservation Project ein Schrein nur zum Lesen: über 40.000 Flyer, Plakate und Grafiken aus der Rave-Geschichte, eingescannt und abgelegt. Diese Woche hörte es auf, ein Museum zu sein, und wurde zum Werkzeug. Das Projekt brachte ein neues Verzeichnis des Undergrounds und eine Reihe von Entdeckungsfunktionen heraus und macht aus dem statischen Archiv etwas, an das sich Artists, Veranstalter, Labels und Clubs wirklich anschließen können. Einträge können jetzt Medienlinks tragen, sodass eine einzige Seite YouTube, SoundCloud, Bandcamp, Spotify und Apple Music eines DJs an einem Ort bündelt. Die Galerien wurden fürs Stöbern neu gebaut und die Suche geschärft, damit die Sammlung auffindbar ist und nicht nur verwahrt wird.
„Die elektronische Kultur verteilt sich oft auf soziale Plattformen, kurzlebige Posts und fragmentierte Links. Wir bauen ein dauerhafteres System, das hilft, Artists zu finden, Erinnerungsstücke zu bewahren und Inhalte zu erleben, ohne die Plattform zu verlassen.“ Rave Preservation Project
Warum zählt ein Archiv alter Flyer gerade jetzt?
Weil der Underground seine eigene Geschichte ständig löscht. Das Gedächtnis der Dance-Musik lebt vor allem auf Plattformen, die nie dafür gebaut wurden, es zu bewahren: eine Instagram-Story, die nach einem Tag verschwindet, ein SoundCloud, das verstummt, wenn die Karte abläuft, eine Veranstalterseite, die archiviert wird, sobald die Party vorbei ist. Flyer sind die Belege einer Szene, die meist ohne Spuren stattfindet, und ein durchsuchbares Verzeichnis, das sie mit lebenden Profilen verknüpft, ist das Nächste zu einer festen Adresse, das die Rave-Kultur je hatte. Der Wechsel vom passiven Archiv zum interaktiven Hub bedeutet, dass die Leute, die diese Geschichte gemacht haben, ihre eigene Ecke jetzt aktuell halten können.
Wer steckt dahinter, und wo ist der Haken?
Das Projekt wurde 2013 von Matthew Johnson gegründet, einem Archivar aus Oregon, und ist zu einer der größten Sammlungen von Rave-Ephemera weltweit gewachsen. Der Haken ist der jedes Archivs: Ein Verzeichnis ist nur so gut wie die Leute, die es füttern. Artists, Veranstaltern und Labels die eigenen Seiten zu überlassen, löst den Engpass des einen Archivars, der alles macht, übergibt aber auch die Schlüssel an die Selbstvermarktung, und ein Bewahrungsprojekt steht und fällt damit, ob die Geschichte ehrlich bleibt. Vorerst ist es eine seltene Infrastruktur, gebaut zum Erinnern statt zum Verkaufen.



