Vor zwei Monaten hatte das Cassiopeia noch zwei Wochen Zeit zum Räumen. Jetzt hat der Club, und alles, was den soziokulturellen Bereich L des R.A.W.-Geländes ausmacht, einen Vertrag, der mindestens bis 2028 läuft.

Die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg hat mit Kurth-Immobilien, der Immobiliengruppe, die das ehemalige Bahnausbesserungswerk seit 2015 besitzt, einen Mietvertrag unterzeichnet, der den kulturellen Kern des Geländes ab September für rund eine Million Euro jährlich abdeckt. Der Vertrag läuft zwei Jahre mit Option auf ein drittes, und rund 40 Prozent dieser Miete fließen direkt zurück in den Erhalt von Gebäuden, die seit Ende der 1990er von Besetzern, Veranstaltern und Künstlern zusammengeflickt wurden.

Warum drohte dem Cassiopeia überhaupt eine Räumung?

Seit einem Jahrzehnt drängt Kurth-Immobilien darauf, das R.A.W.-Gelände mit Büros, Gewerbe und Wohnungen neu zu bebauen, während Bezirk und Berliner Kulturszene darum kämpfen, die Clubs, Ateliers und Proberäume des Geländes zu erhalten. Politiker warfen dem Investor vor, die Räume als Druckmittel zu nutzen und mit Schließung zu drohen, um den Bezirk bei Baugenehmigungen unter Druck zu setzen. Im Juni 2026 verließ das Unternehmen die Verhandlungen ganz, erklärte den Prozess für gescheitert und gab dem Cassiopeia zwei Wochen zur Räumung. Die Szene antwortete mit einer Rave-Protestkampagne, und der Berliner Senat bezog öffentlich Stellung, ein Echo des Kampfes, der 2020 die Griessmuehle zu Fall brachte und 2024 das Watergate aus der Miete trieb.

Cassiopeia und Crack Bellmer sind die Ankerclubs auf dem gemieteten Grundstück, neben Skate RAW, Künstlerateliers, Proberäumen sowie einem Kinderzirkus und Jugendclub, alle im selben Hallenkomplex, in dem einst Reichsbahn-Waggons ausgebessert wurden.

"Das R.A.W.-Gelände hat sich über Jahrzehnte zu einem wichtigen Areal für die Soziokultur Berlins entwickelt", sagte Staatssekretär für Bauen Alexander Slotty und nannte das Gelände einen jahrzehntelangen Anker der Berliner Kulturszene.

Ist ein Zweijahresvertrag wirklich ein Erfolg?

Bezirksstadtrat Florian Schmidt nannte die Unterzeichnung das Ende "einer schwierigen Verhandlungsphase", und das ist es auch: Nach zehn Jahren Stillstand und einem Sommer voller Räumungsandrohungen haben die Clubs endlich schriftliche Gewissheit statt eines Zwei-Wochen-Countdowns. Der Vertrag skizziert auch einen echten Ausweg. Erteilt Berlin bis März 2029 die Baugenehmigung, wird der soziokulturelle Bereich L für 30 Jahre mietfrei, unter einer Generalmieter-Struktur, bei der jeder einzelne Ort einen Untermietvertrag behält, während Kurth-Immobilien auf dem Rest des Grundstücks rund 300 Wohnungen bauen darf, davon 30 Prozent Sozialwohnungen. Marcel Weber, Vorsitzender der Berliner Clubcommission, wies auf einen echten Reibungspunkt in diesem Plan hin: die Schallschutzstandards für Clubs neben künftigen Wohnhäusern, genau der Konflikt, der seit Jahren Locations in der Nähe von Neubauten in der ganzen Stadt ausbremst.