Was bringt Troxler eigentlich heraus?
Am 1. Juli veröffentlicht Slacker 85, das Label, das Seth Troxler 2023 gegründet hat, « He Ain't Here », eine Compilation mit 35 Tracks. Schon die Zahl ist eine Ansage: Die meisten Compilations hören bei einem Dutzend auf. Diese liest sich wie das Telefonbuch von Leuten, die Troxler einen Gefallen schulden. Skream, Marc Houle, Audion (das Techno-Alias von Matthew Dear), Hiroko Yamamura, Krystal Klear und Jonny Rock sind alle dabei. Das Label kennt solche Aufgebote: Frühere Slacker-85-Platten versammelten schon Danny Daze, Jackmaster und Kenny Summit.
Kann eine Partyplatte wirklich Protest sein?
Troxler macht aus seiner Absicht keinen Hehl. « Diese Compilation ist Protest », schrieb er, « von Kampfliedern bis zu Momenten der Freude. Es geht ums Leben, ums Tanzen, ums Dasein. Die Welt steht vor dem Umbruch. Da kann man sich auch ein bisschen amüsieren, während sie brennt. Willkommen in unserer dysfunktionalen Familie. »
Da kann man sich auch ein bisschen amüsieren, während sie brennt.
Dieser Satz wird zerschnitten und durchgekaut, nicht immer freundlich. Kalt gelesen klingt « tanzen, während es brennt » nach Kapitulation im schicken Mantel, nach dem, was ein Headliner sagt, bevor er nach Hause fliegt. Ganz gelesen ist es die älteste Idee, die House hat: der Floor als der eine Raum, in den die Außenwelt dir nicht folgen kann, Freude als Weigerung statt als Flucht. Troxler, geprägt von Michigan und der Detroiter Szene, kennt diese Linie. House und Techno waren nie unpolitisch. Sie wurden von Schwarzen und queeren Menschen gebaut, die einen Ort brauchten, an dem die Regeln nicht mehr galten.
Warum trifft das 2026?
Weil der Underground ununterbrochen darüber streitet, ob er überhaupt noch etwas bedeuten darf. Die letzten Jahre gingen für Debatten über Nüchternheit, KI, Ticketpreise und die Frage drauf, ob ein DJ Künstler oder Marke ist. Eine Platte mit 35 Tracks und dem Stempel « Protest » landet mitten hinein. Ob man den Diskurs kauft oder die Augen verdreht: Troxler hat geschafft, was eine Compilation fast nie schafft, er zwingt zu der Frage, wozu die Musik da ist. Die Namen auf der Tracklist sind die Antwort, auf die er setzt, eine Clique von Freunden, laut genug, um die Frage zu übertönen.



