Was ist aus denen geworden, die das alles aufgebaut haben?

Dreiunddreißig Jahre lang war Sónar das Projekt von drei Menschen: Ricard Robles, Enric Palau und Sergio Caballero. Sie gründeten das Festival 1994 in Barcelona und leiteten es über drei Jahrzehnte, bis es zu einem der wenigen Festivals weltweit geworden war, die wirklich beeinflusst haben, wie die Industrie über elektronische Musik und Technologie zusammen nachdenkt. Dann, im Oktober 2025, traten alle drei zurück. Ein vierter Ko-Direktor, Ventura Barba, war ebenfalls vor Jahresende gegangen.

Der Kontext ist eindeutig. Sónar gehört Superstruct Entertainment, hinter dem KKR steht, dasselbe Private-Equity-Unternehmen, gegen das die Szene seit Jahren im Zusammenhang mit verschiedenen Festivalbesitzverhältnissen protestiert. Der Boykott auf dem Sónar 2025 war öffentlich und unmissverständlich. Ob die Abgänge direkte Folge dieses Drucks waren oder auf länger schwelende Spannungen rund um die Eigentumsstruktur zurückgehen, das Ergebnis ist dasselbe: Die Ausgabe 2026 ist die erste in der Festivalgeschichte ohne einen einzigen der Gründer.

Nun führt François Jozic als neuer CEO die Geschäfte. Was er übernimmt, ist eine Marke mit enormem globalem Gewicht, und eine Szene, die zumindest genau hinschaut.

Was verändert die neue Leitung konkret?

Die entscheidende Strukturänderung für 2026 ist die Abschaffung der Tag/Nacht-Teilung. Das historische Sónar by Day auf dem Montjuïc, der kulturelle und experimentelle Arm des Festivals, das Gegengewicht zum Club-Programm, wird eingestellt. Alles konzentriert sich jetzt auf die Fira Gran Via in L'Hospitalet, das frühere Sónar by Night-Gelände, in einem durchgehenden Abendprogramm ab 17 Uhr. Donnerstag, 18. Juni bis 3 Uhr; Freitag und Samstag bis 7 Uhr.

Als Gegengewicht zu dieser Konzentration steht eine Ausweitung. Die Sónar Week 2026 ist als stadtweite Übernahme angelegt: das Hauptfestival an der Fira Gran Via, die Sónar+D-Konferenz in der Llotja de Mar (18.-19. Juni), OFFSónar-Satellitenveranstaltungen im Poble Espanyol (18.-21. Juni) und, erstmals in der Festivalgeschichte, der Sónar District im Parc del Fòrum direkt am Wasser.

Dieser letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit. Das Parc del Fòrum-Gelände ist echtes Neuland für Sónar. Am Freitag, 19. Juni, übernimmt Solid Grooves mit Michael Bibi, PAWSA, Mau P, Dennis Cruz, DJ Tennis, CARISTA und PARAMIDA. Am Samstag, 20. Juni, teilt sich das Areal auf: Metamorfosi, Joseph Capriatis Techno-Konzept, mit Jamie Jones und Sidney Charles, und You&Me, Josh Bakers House-Konzept mit Seth Troxler. Drei verschiedene Welten, drei verschiedene Programme, alle am Wasser. Das ist keine Kleinigkeit.

«Die Leute, die dieses Festival gebaut haben, sind weg. Was an ihrer Stelle steht, ist eine deutlich größere Maschinerie, und die Szene fragt sich, ob diese Maschinerie noch versteht, was das Festival einmal bedeutsam gemacht hat.»

Wie sieht die Hauptbühne unter neuer Leitung aus?

An der Fira Gran Via sind die Headliner 2026 unter anderem Charlotte de Witte, Amelie Lens, The Prodigy, Skepta, Kelis, Modeselektor, WhoMadeWho und Dom Dolla. Kommerziell solide, weltweit bekannt, auf große Formate zugeschnitten. Nichts auf dieser Liste überrascht, was je nach Blickwinkel beruhigend oder aussagekräftig ist.

Die Sónar Week im Gesamtbild: über 150 Künstlerinnen und Künstler, 3 Hauptveranstaltungen, 12 Satellitenpartys. Rein zahlenmäßig ist es die größte Ausgabe in der Festivalgeschichte. Das Volumen ist zumindest nicht das Problem.