In der südafrikanischen Presse wird Sun-El Musician fast immer als Amapiano-Künstler geführt. Das greift zu kurz. Sanele Sithole hat sich mit atmosphärischen, tiefen House-Produktionen einen Namen gemacht: seiner doppelt platinveredelten Single 'Bamthathile', den platinveredelten Alben Africa to the World und To the World & Beyond sowie Kollaborationen mit Black Coffee, dem ersten afrikanischen Künstler, der den Grammy für das beste Dance/Electronic-Album gewann. Nach Katalog und Kollaborationspartnern ist er einer der bekanntesten südafrikanischen Namen im internationalen Afro-House- und Deep-House-Zirkel. Genau deshalb wiegt ein Vorwurf über 10 Millionen Rand an unbezahlten Tantiemen so schwer.
Der Vorwurf stammt von Sphethelo Nkosi, der sagt, er habe EL World Music gemeinsam mit Sithole gegründet, bevor dieser als Sun-El Musician zum öffentlichen Gesicht des Labels wurde. In einem rohen, ungeskripteten Video vom 20. August 2026 behauptet Nkosi, Sithole habe 2021 die alleinige Kontrolle übernommen und halte seither Geld zurück, das ihm zustehe.
Was genau wirft Nkosi vor?
Nkosi zufolge stehen zwei getrennte Beträge aus. Er sagt: 'Die Tantiemen liegen bei über sieben Millionen, und ein Teil davon steht mir zu.' Getrennt davon behauptet er, mehr als 5 Millionen Rand aus einer Zahlung namens 'Mama Sings' seien ebenfalls offen. Insgesamt beziffert er die Summe auf über 10 Millionen Rand, angehäuft seit 2021. Er habe mehrfach per E-Mail nachgehakt, ohne Antwort zu erhalten, weshalb er sich an die Öffentlichkeit statt an ein Gericht gewandt habe; bislang wurde keine Klage eingereicht.
Nkosi brachte zudem einen älteren, separaten Vorwurf zur Sprache: Eine Sängerin, die mit einem Projekt namens 'Sonini' in Verbindung stehe, sei mehr als neun Jahre lang nicht bezahlt worden, und er habe zu Beginn ihrer Karriere persönlich ihre Privatschulbildung finanziert. Diese Behauptung stützt sich, ebenso wie die Tantiemenzahlen, allein auf Nkosis Aussage.
'Die Tantiemen liegen bei über sieben Millionen, und ein Teil davon steht mir zu.'
Warum betrifft ein Label-Streit die gesamte House-Szene?
EL World Music ist kein Nischen-Label. Es ist die Plattform hinter Simmy, deren Debütalbum Tugela Fairy 2018 nach ihrer Vertragsunterzeichnung beim Label erschien, und der Name wurde auch mit Azana in Verbindung gebracht: zwei zentrale Stimmen jenes Soul-House-Sounds, den Südafrika seit einem Jahrzehnt exportiert. Ein Streit darüber, wer bei einem Label dieser Größenordnung tatsächlich über das Geld bestimmt, ist mehr als Klatsch, es ist dieselbe strukturelle Frage, die Dance-Labels weltweit plagt: Wem gehören die Unterlagen, wenn eine gründende Partnerschaft zerbricht, ohne je formalisiert worden zu sein.
Keine von Nkosis Zahlen wurde vor Gericht geprüft, und Sun-El Musician hat sich dazu bislang öffentlich nicht geäußert. Bis auf Weiteres bleibt all das Nkosis Vorwurf.
Was wir denken
Ein siebenstelliger Tantiemenstreit, der zuerst per Video und nicht per Klage an die Öffentlichkeit geht, ist ein zweideutiges Signal: Es könnte ein echtes, jahrelang ignoriertes Anliegen sein, oder ein Vorwurf, der einer rechtlichen Prüfung nicht standhielte. Sicher ist: Sun-El Musicians Schweigen kostet ihn nichts, solange die Geschichte südafrikanisch bleibt, sobald sie aber die internationale Dance-Presse erreicht, die seine Kollaborationen mit Black Coffee verfolgt, wird dieses Schweigen einen Preis haben.



