Was genau wirft der Tresor dem Museum vor?
Der Tresor, gegründet von Dimitri Hegemann, und Marcel Weber, Vorstandsmitglied der Clubcommission Berlin, sind diese Woche laut Groove.de mit deutlicher Kritik an Berlin Beats an die Öffentlichkeit gegangen, der kostenlosen Open-Air-DJ-Reihe des Hamburger Bahnhofs. Hegemanns zentraler Satz: „Hier wird sich in unser Kerngeschäft eingemischt, das wir seit über 35 Jahren mühsam aufgebaut haben.“ Sein Punkt ist nicht, dass ein Museum keine House- oder Techno-Sets im Freien programmieren sollte. Sein Punkt ist, dass eine staatlich finanzierte Institution genau den Sound bucht, den der Tresor in dreieinhalb Jahrzehnten aufgebaut hat, ihn kostenlos anbietet und das Wohlwollen des Publikums einstreicht, ohne etwas an jene zurückzugeben, die diese Kultur überhaupt geschaffen haben.
Webers Blickwinkel ist eher strukturell. Öffentliche Museen hätten, so Weber, allein durch ihren Status einen ganz anderen Zugang zu großen Sponsoren als ein privater Club. Genau das ist der Kern der Kritik: Der Hamburger Bahnhof kann eine kostenlose Party finanzieren, weil er Teil eines öffentlichen Fördersystems ist, während der Tresor Eintritt verlangen muss, weil ihm dieses Netz fehlt.
Wie groß ist Berlin Beats, und warum schmerzt die Kostenlosigkeit?
Berlin Beats ist kein Nischenprogramm. Nach Angaben der SMB selbst kamen in den vergangenen drei Sommern der Reihe rund 200.000 Besucher, an einzelnen Donnerstagabenden mehrere Tausend allein im Museumsgarten. Die diesjährige Ausgabe, von Mitte Juni bis Ende August, eröffnete Kikelomo im Rahmen des 30-jährigen Museumsjubiläums, mit Line-ups, die genau auf jenen Deep House, Electro und Melodic Techno setzen, die Berlins Ruf als Clubbing-Hauptstadt begründet haben.
Dem gegenüber stehen die Zahlen des Tresors: 110 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste, 15 Euro Eintritt, und über 35 Jahre, in denen eine Techno-Institution trotz steigender Mieten, Umzügen und einer Szene, die Club für Club aus finanzieller Not schließen sah, am Leben gehalten wurde. In denselben Sommernächten, in denen Tausende kostenlos im Museum tanzen, muss der Tresor trotzdem Gehälter zahlen.
„Never about us without us!“, Marcel Weber, Clubcommission Berlin
Was wollen Hegemann und Weber wirklich?
Bemerkenswert ist: Keiner der beiden fordert, Berlin Beats einzustellen. Hegemann sagte klar: „Es verlangt niemand, dass sie die Reihe einstellen.“ Gefordert wird Reinvestition, kein Rückzug. Ihr Vorschlag: eine freiwillige Spende von 2 bis 3 Euro pro Besucher, deren Erlös in Jugendprogramme und Clubcommission-Initiativen fließen soll; regelmäßige Bühnenplätze für lokale Labels und Nachwuchskünstler statt nur etablierter Namen; und Ansagen am Ende des Abends, die das Publikum zu den echten, zahlungspflichtigen Clubs Berlins lenken. Es ist ein Partnerschaftsangebot, verpackt als Kritik, mit dem Ziel, dass das Museum die Szene als Mitgestalter behandelt und nicht als kostenlose Kulisse für seine Gartenpartys.
Der Bericht von Groove.de enthält keine Reaktion des Hamburger Bahnhofs, und bis zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung war öffentlich keine Stellungnahme bekannt geworden.



