Warum ging die gesamte Abendkasse eines Freitagabends im Palais nach Kolumbien?
TSHA und DJ Holographic teilten sich am Freitag, den 11. September, von 20 bis 4 Uhr das Line-up im Palais in Peckham, und der Club spendete 100 Prozent der Ticketeinnahmen, zwischen 12 und 20 Pfund pro Ticket, an einen Erdbebenhilfsfonds für Kolumbien, ohne einen Anteil für sich oder die Artists zu behalten. Die Aktion kommt einen Monat nach dem Erdbeben der Stärke 7,4, das am 10. August in der Nähe von San José del Palmar im Departamento Chocó, nahe der Grenze zu Valle del Cauca, zuschlug. Laut UN-Angaben starben dabei mindestens 111 Menschen, mindestens 87 wurden verletzt, darunter mehrere Kinder, Menschen blieben unter Trümmern eingeschlossen. Ein Clubabend klebt sich sonst meist nur einen vagen „Anteil der Einnahmen“ aufs Plakat; die komplette Abendkasse abzugeben ist deutlich seltener und machte aus einem gewöhnlichen Freitagstermin einen direkten Geldtransfer aus der Londoner Nightlife-Szene zu einer Katastrophe tausende Kilometer entfernt.
Wer stand da eigentlich am Pult?
TSHA baute ihr Set auf jener melodischen, rhythmusgetriebenen Produktion auf, die sie von kleinen Londoner Clubs bis auf Festival-Hauptbühnen gebracht hat, während DJ Holographic, geboren als Ariel Corley in Detroit, sich durch das House-, Soul- und Cosmic-Funk-Erbe arbeitete, mit dem sie in den Clubs ihrer Heimatstadt aufgewachsen ist. Auf dem Papier ergibt diese Paarung Sinn, zwei Frauen, verwurzelt im rhythmischen und melodischen Ende der House-Musik, und an diesem Abend bewies sie zugleich, dass ein Charity-Line-up kein abgespecktes Line-up sein muss.
Was ist das Palais, und woher kommt das Handyverbot?
Das Palais eröffnete im alten Kaufhaus Jones & Higgins an der Rye Lane, ein Raum für 470 Gäste, gebaut um eine Funktion-One-Anlage in Fünf-Wege-Konfiguration, und setzt eine strikte Regel durch: kein Foto, kein Video, sobald ein Set läuft. Diese Hausregel passt, zusammen mit der Ausweiskontrolle ab 21 Jahren, zum Selbstverständnis des Ladens: ein Raum für die Musik und für die Crowd darin, nicht für das Handymaterial, das ihn verlässt.



