u-he perfektioniert seit fünfundzwanzig Jahren die Kunst, Analogklang nachzubilden. Diva reproduziert in reinem Code die Eigenheiten vintage Filterschaltungen bis ins Detail, Zebra und Repro-1 leisten dasselbe für klassische Synthesizer-Architekturen, denen Plugin-Entwickler seit Beginn der Ära nachjagen. Diesmal hat das Berliner Studio eines gebaut, das nichts Virtuelles mehr an sich hat.
MELT, veröffentlicht am 27. August 2026, ist u-hes erstes zu 100 Prozent analoges Eurorack-Modul: ein Filter im 14HP-Format, das direkt in ein physisches Rack geschraubt wird, ganz ohne DSP. Es kostet 299 Euro inklusive Mehrwertsteuer (251,26 Euro netto) und ist laut Hersteller als letzte klangformende Stufe einer klassischen monophonen Synthesizerstimme gedacht, kombiniert mit einem Oszillator und ein paar einfachen Modulationsquellen.
Was macht MELT eigentlich?
Kernstück ist ein vierpoliges Tiefpassfilter mit umschaltbaren Flanken (12, 18 oder 24 dB/Oktave), dazu ein parallel laufender Bandpassausgang, jeweils mit eigenem VCA und CV-Eingang. Ein dreikanaliger Eingangsmischer speist das Filter, mit einem modulierbaren VCA auf dem ersten Kanal, zwei gedämpften Cutoff-CV-Eingängen (FM1 und FM2, wobei FM1 einen Polaritätsschalter und einen eigenen VCA besitzt) und einem AUX-Eingang, der den Filterkern komplett umgeht und direkt zu den Ausgangs-VCAs führt, praktisch zum Einmischen eines trockenen Signals.
Das auffälligste Feature ist CORE TEMPERATURE: Der Regler verringert den internen Headroom des Filters, je weiter man ihn aufdreht, und erzeugt eine zunehmend nichtlineare Wechselwirkung zwischen Eingangssignal und Resonanz. Weit genug aufgedreht, beginnt sogar das Eingangssignal selbst zu verzerren.
"MELTs Tiefpass- und Bandpassausgänge lassen sich parallel für eine große Klangvielfalt nutzen, und der einzigartige CORE-TEMPERATURE-Regler verändert den Charakter von sanft bis wirklich wild."
Als naheliegende Anwendungen nennt u-he Basslinien, die sich während des Spiels dynamisch verändern, sowie Percussion aus gefiltertem Rauschen.
Warum nach 25 Jahren Software auf Analog umsteigen?
MELT ist nicht u-hes erste Eurorack-Hardware: CVilization, Wiretap und CEN2RION gab es bereits im Katalog, sie setzten aber auf digitale oder hybride Schaltungen statt eines durchgängig rein analogen Signalwegs. Dass eine Marke, deren gesamte Geschäftsidentität darauf beruht, analoges Verhalten in Software zu treffen, sich stattdessen für die echte Schaltung entscheidet, ist eine bemerkenswerte Kehrtwende, und sie bringt u-he in direkte Konkurrenz zu den Herstellern modularer Filter, deren Hardware die eigenen Plugins seit Jahrzehnten studieren.
Das Modul benötigt nur 70mA pro Schiene und keinen +5V-Bus, ein kleines, aber bewusstes Detail, das den Einbau in fast jedes bestehende Gehäuse ohne Stromkopfzerbrechen erlaubt.
Warum das wichtig ist
Reine Softwaresynthesizer-Marken kämpfen zunehmend mit Plugin-Piraterie, Abo-Müdigkeit und einem gesättigten DSP-Markt; eine Hardwarelinie verschafft u-he einen physischen Fuß in der Eurorack-Welt, auf die sich die eigenen Plugins immer bezogen haben, und stellt auf die Probe, ob der Ruf der Marke für Authentizität den Kontakt mit einer echten Platine übersteht.



