Was ist in der UNVRS wirklich passiert?

Ein Video, das in spanischsprachigen sozialen Netzwerken kursiert, zeigt die Menge in der UNVRS, dem Hyperclub in San Rafael, mit erhobenen Handys statt Händen. Laut Periódico de Ibiza, das die Geschichte am 8. September veröffentlichte, hält der Clip mitten im Set fest, was wie Hunderte, wenn nicht Tausende, leuchtende Bildschirme über der Tanzfläche aussieht. Gepostet hat es Josef Ajram, ein spanischer Trader, Autor, Motivationsredner und Ultramarathonläufer mit mehr als 450.000 Followern in sozialen Netzwerken.

Ajrams Bildunterschrift griff den Club nicht an, sie stellte eine Frage: «In welchem Moment tun wir Dinge, um sie zu erleben, und in welchem Moment tun wir sie, um zu beweisen, dass wir sie erlebt haben?» Danach folgte eine zweite, wo die Grenze zwischen Filmen zur Selbstdarstellung und dem tatsächlichen Erleben des Moments liegt. Laut der Quelle sammelte der Post fast 1.000 Kommentare.

Warum ging die Kritik des Influencers nach hinten los?

Weil viele Kommentare das Offensichtliche ansprachen: Ajrams eigenes öffentliches Leben läuft fast ausschließlich über geteilten Content. Ein Trader, der zur öffentlichen Figur mit sechsstelliger Followerzahl wurde, kommt nicht dorthin, indem er die Kamera meidet. Mehrere Antworten unter dem Post warfen ihm Heuchelei vor und argumentierten, er tadle einen ganzen Saal dafür, im kleineren Maßstab und kostenlos genau das zu tun, was seine Karriere begründet hat.

Das andere wiederkehrende Thema in den Kommentaren war laut Periódico de Ibiza das Geld. Der Eintritt in die UNVRS kostet über 100 Euro, Drinks liegen bei rund 25 Euro. Wenn ein Abend so viel kostet, argumentierten einige, sei das Filmen als Beweis keine Eitelkeit, sondern schlicht das Ausschöpfen des Gegenwerts.

Ist das wirklich ein neuer Streit?

Nein, und genau das ist der Punkt. Handys auf der Tanzfläche sind seit Jahren ein Streitthema, deshalb versiegeln Clubs wie das Berghain in Berlin die Kameralinsen physisch am Eingang. Anders ist hier die Quelle: keine Clubpolicy, keine Beschwerde eines DJs aus der Kabine, sondern ein zum Influencer gewordener Trader, der einem Publikum einen Spiegel vorhält, das sich genau so verhält, wie es die Plattformen, auf denen er selbst arbeitet, ihm beigebracht haben.

"¿En qué momento hacemos las cosas para vivirlas, o en qué momento las hacemos para demostrar que lo hemos vivido?"