Was bedeutet 'euklidisch' bei einer Drum-Machine eigentlich?

Der Begriff stammt aus einem Aufsatz des Informatikers Godfried Toussaint von 2005, "The Euclidean Algorithm Generates Traditional Musical Rhythms", der zeigte, dass eine möglichst gleichmäßige Verteilung einer Anzahl von Hits auf eine Anzahl von Schritten Muster ergibt, die in verschiedenen Musiktraditionen bereits existieren: der kubanische Tresillo, westafrikanische Glockenpattern, additive Balkan-Taktarten. Modular-Hersteller haben diese Mathematik vor Jahren in einen simplen Regler verwandelt, ein euklidisches Sequencer-Modul erzeugt aus nur zwei Zahlen (Hits und Schritte) ein Pattern, statt jeden Schritt von Hand zu programmieren, und deshalb tragen Elektron-Geräte wie der Digitakt und der Analog Rytm einen eigenen euklidischen Modus. Orbita, das neue Plugin von AudioThing, greift genau diese Logik auf und macht sie jedem mit einer DAW oder einem iPad zugänglich, ganz ohne Patchkabel.

Was steckt wirklich in Orbita?

Orbita ist um acht Sample-Spuren herum aufgebaut, die auf einem kreisförmigen Sequencer angeordnet sind, jede mit eigener Hit- und Schrittzahl, sodass sich die Muster zu Polyrhythmen verschränken, statt auf demselben Raster zu laufen. Jede Spur trägt ein 2-Pol- oder 4-Pol-Filter und eine Attack/Decay-Hüllkurve mit Reverse-Option, dazu ein Multiwave-LFO, das auf Pitch, Panorama, Lautstärke, Cutoff oder Resonanz geroutet werden kann. Offset-Rotation, Accent-Kontrolle und Swing kommen hinzu, mit Mute- und Solo-Tasten für den Live-Einsatz. Das Plugin liefert 36 Werks-Drumkits, die aus Maschinen wie der 808, der CR-78, der DR-220A und der Ult-Sound DS-2 schöpfen, und ein Drag-and-drop-Editor erlaubt das Laden eigener Samples. Es läuft als VST2/VST3/AU/AAX/CLAP unter macOS, Windows und Linux sowie als separate iOS/iPadOS-App (AUv3 und Standalone) für 9,99 $ im App Store.

Die Idee: automatisch generierte Polyrhythmik und Swing, dann Spur für Spur geformt, ohne Step-Programmierung.

Warum ist der Preis hier wirklich wichtig?

Weil euklidisches Sequencing bislang meist hinter der Modular-Steuer gelebt hat. Ein einzelnes Hardware-Modul für euklidisches Sequencing mit einer Handvoll Kanälen kostet üblicherweise über 200 Euro, bevor man überhaupt etwas hat, das man damit triggern kann. Orbita deckt acht Spuren, Filter, ein LFO pro Spur und 36 Drumkits für einen Einführungspreis von 39 Euro ab (der nach Ablauf des Launch-Fensters auf 69 Euro steigt), und dieselbe Idee läuft auf dem iPhone für 9,99 $. Das ist kein neuer Algorithmus, Toussaints Aufsatz ist zwei Jahrzehnte alt und Modularsysteme verkaufen genau diesen Trick seit Jahren, aber ihn mit echten Drum-Samples und echter Desktop-zu-iOS-Parität zu bündeln macht daraus etwas, das ein House- oder Techno-Produzent einfach an einem x-beliebigen Dienstag in Ableton oder Logic öffnet.