Was unterscheidet es wirklich von einem LFO oder Sequencer?
Ein klassischer LFO wiederholt für immer dieselbe Form. Ein Step-Sequencer legt die Modulation auf ein starres Raster fest, das man von Hand programmiert. Sinusoidal Run Rhythm verwirft beide Prämissen. Das Plugin basiert auf der gleichnamigen Theorie von Steffen Krebber, die Rhythmus als kontinuierliche Welle versteht, erzeugt durch die Addition mehrerer phasengleicher Kosinusfunktionen in ganzzahligen Frequenzverhältnissen, statt als feste Abfolge von An- und Aus-Schritten. In Krebbers eigenen Worten "begreift dieser Ansatz Zeit nicht als diskrete Unterteilungen, sondern macht sie kontinuierlich quantifizierbar".
"Dieser Ansatz begreift Zeit nicht als diskrete Unterteilungen, sondern macht sie kontinuierlich quantifizierbar."
Praktisch bedeutet das: Die Spitzen des entstehenden Musters verschieben sich und interagieren, statt sich Takt für Takt identisch zu wiederholen, bleiben dabei aber vollständig deterministisch und lassen sich per MIDI synchronisieren. Unfiltered Audio hat das Plugin, kurz SRRhythm genannt, um sechs Sinus-Partials herum gebaut, die einzeln ein- und ausschaltbar, auf ein ganzzahliges Verhältnis bis 64 einstellbar, bis zu fünfmal multiplizierbar und jeweils unabhängig phasenverschiebbar sind. Stapelt man mehrere davon übereinander, entsteht ein Interferenzmuster, das sich ständig weiterentwickelt statt in einer Schleife zu laufen.
Warum sollte das einen House- oder Techno-Produzenten interessieren?
Auf den meisten Dancefloor-Tracks stammt Modulation noch immer aus einer Handvoll Quellen: einem synchronisierten LFO, einem Step-Sequencer, ein paar Envelope-Followern. Das reicht für Kick und Hi-Hat, erklärt aber auch, warum so viel modulierte Percussion in Deep House, Minimal und Techno am Ende wie dieselben drei Plugins mit anderen Presets klingt. Sinusoidal Run Rhythm liefert stattdessen eine mathematisch eigenständige Groove-Quelle, genau für dieses leicht neben dem Raster liegende Feeling, das Produzenten von experimentellem Deep House und IDM-naher House-Musik sonst stundenlang durch händisches Automatisieren jagen. Weil die Wellen-Interferenz das erzeugt, was Unfiltered Audio mikrozeitliche Rhythmusraster nennt, kann eine Percussion-Loop, ein gefilterter Pad-Sound oder ein zerschnittener Vocal-Chop dadurch einen Puls bekommen, der sich nie ganz wiederholt, ohne je aus dem Takt zu geraten.
Was steckt wirklich im Plugin, und was kostet es?
Die Modulations-Engine speist eine Reihe eingebauter Effekte: einen Verstärker mit Soft Clipping, eine binaurale Verschiebung, einen Multimode-Filter und ein Panning, sodass die Wellen-Interferenz nicht nur Modulationsquelle ist, sondern eine komplette rhythmische Effektkette. Ein Sample-and-Hold-Prozessor morpht die Grundwellenform zwischen Sinus, Rechteck und hybriden Formen, alles per MIDI automatisierbar. Unfiltered Audio bietet es in zwei Varianten an: das volle Plugin für 39,95 Euro, oder eine reine MIDI-Version für 12,95 Euro für alle, die die Wellen-Interferenz-Engine nur zur Steuerung externer Hardware oder anderer Plugins nutzen wollen. Beide gibt es als VST2, VST3, AU und AAX für macOS und Windows, eine kostenlose Demo ist direkt bei Unfiltered Audio erhältlich.



