Warum wollte der BCR2000 nie richtig sterben?
Behringer hat den BCR2000 vor Jahren eingestellt, aber der Gebrauchtmarkt hat das nie mitbekommen. Der Controller von 2004 baute seinen Ruf auf reiner Dichte auf: 32 Drehregler mit LED-Ring, verdrahtet für präzise, latenzarme MIDI-CC- und NRPN-Steuerung, zu einem Preis, der alles andere mit vergleichbarer Bedienfläche lächerlich machte. Modular- und Semi-Modular-Nutzer machten daraus ein universelles Einstellpanel, die Art Gerät, die man dauerhaft auf ein Eurorack-Rack oder jeden Parameter eines Software-Synths mappt. Genau diese Dichte kann eine Maus mit Plugin-Oberfläche nie ersetzen: acht, sechzehn, zweiunddreißig Regler, die die Hände finden, ohne hinzusehen.
Der Kultstatus machte 2014 einen Sprung, als Christian Stöcklmeier von ZAQ Audio den Zaquencer schrieb, eine alternative Firmware, die den BCR2000 in einen eigenständigen 32-Step-Sequencer verwandelte, ganz ohne Computer. Der Trick verbreitete sich in Modular-Foren als einer der besten Wege, aus günstiger, eingestellter Hardware echtes manuelles Sequencing herauszuholen.
Was bringt der Zaquencer eigentlich?
Behringers Antwort auf über ein Jahrzehnt dieses Community-Hacks: sich mit Stöcklmeier zusammentun und seine Firmware direkt ab Werk einbauen. Der BCR32 wechselt per Knopfdruck zwischen zwei Persönlichkeiten. Als Controller ist er der direkte Nachfolger des BCR2000: 32 Encoder in vier Reihen senden MIDI CC und NRPN über zwei USB-C-Anschlüsse oder vollwertiges 5-Pin-MIDI (In, Out A, Out B/Thru). Ein Knopfdruck, und er wird zu einem 4-Spur-, 32-Step-Hardware-Sequencer mit kleinem OLED-Display, 16 gummierten Tasten für Funktionen wie Mute und Shuffle, vier dedizierten Spurtasten T1 bis T4 und Speicher für bis zu 192 Patterns an Bord.
Das eigentlich Neue steckt auf der Rückseite: vier CV/Gate-Ausgänge, etwas, das der originale BCR2000 nie hatte. Damit wird aus der Sequencer-Hälfte kein reines MIDI-Werkzeug mehr, sondern ein Gerät, das Analogsynths und Modulargeräte direkt ansteuern kann, dazu kommen zwei Fußschalter-Eingänge und Sync in/out zur Kopplung mit anderer Hardware.
Eine Steuerfläche, die durch ein Jahrzehnt an Community-Hacks zum Kultsequencer wurde, bringt diesen Sequencer nun ab Werk mit, diesmal mit Absicht.
Was sagt das über Behringers Strategie aus?
Der BCR32 fügt sich in ein Muster, das Behringer immer wieder wiederholt: ein Gerät mit treuer, aber schrumpfender Nutzerbasis nehmen, billig neu bauen und zu einem Preis verkaufen, der den Sammlerwert des Originals absurd aussehen lässt. Das hat die Firma mit ihren Minimoog- und TR-808-Klonen gemacht, jetzt macht sie es mit einem MIDI-Controller, dessen eigentliches zweites Leben an einer Drittanbieter-Firmware hing. Für 169 Euro bekommt man ein Gerät, das gleichzeitig ein dichter Encoder-Controller und ein eigenständiger CV/Gate-Sequencer ist, und Behringer bringt damit nicht nur ein eingestelltes Produkt zurück, sondern macht einen Hack offiziell, den die Community kostenlos gebaut hat, samt Namensnennung des Urhebers.
Für Studios, die um Modular- und Semi-Modular-Gear herum aufgebaut sind, ist genau diese Kombination, manuelle Steuerung plus ein Sequencer, der kein aufgeklapptes Laptop braucht, das eigentliche Verkaufsargument. Ob Behringer den versprochenen Zeitplan hält, ist eine andere Frage, und die eigene Geschichte dieses Produkts lädt geradezu dazu ein, sie zu stellen.



