House gäbe es nicht ohne eine Handvoll ganz bestimmter Maschinen. Techno auch nicht. Die Roland TR-808 und TR-909, die LinnDrum, die Oberheim DMX: Das sind keine Museumsstücke, das sind die Instrumente, die das Vokabular geschrieben haben, das Produzenten bis heute benutzen. Bjooks, der dänische Verlag hinter aufwendig produzierten Titeln wie PUSH TURN MOVE und PATCH & TWEAK, hat dieser Geschichte jetzt das Nachschlagewerk gegeben, das ihr bisher fehlte.

BEAT GEMS: Drum Machines in Modern Music verschickte seine ersten physischen Exemplare am 9. September, ein Datum, das bewusst mit dem 909 Day zusammenfällt, dem inoffiziellen Feiertag der Community rund um die Modellnummer der Roland TR-909. Genau diese Maschine, mit gesampelten Bassdrums und Hi-Hats über analoger Synthese, ziert das Cover. Geschrieben vom Forscher und Produzenten Oli Freke und herausgegeben von Kim Bjørn, kostet das 336-seitige Hardcover 75 € und wird in Dänemark auf FSC-Papier gedruckt, im selben Coffee-Table-Format, mit dem Bjooks Synthesizer-Handbücher zu Designobjekten macht.

Welche Maschinen haben es tatsächlich ins Buch geschafft?

Freke gliedert das Buch in acht thematische Phasen statt einer schlichten Zeitleiste. Es beginnt mit den nicht programmierbaren Pionieren für Heimorgeln und Tanzkapellen: dem Wurlitzer Side Man, dem Ace Tone Rhythm Ace FR-1, der Seeburg Rhythm Prince, der Keio Mini Pops 7, dem Elka Drummer One, dem Maestro Rhythm King. Danach folgt die programmierbare Ära, die Clubmusik tatsächlich begründet hat: der Eko ComputeRhythm, die Roland CR-78, die Linn LM-1 und LinnDrum, die Oberheim DMX und Drumulator, der Akai MPC60. Die Roland-TR-Reihe bekommt ein eigenes Kapitel, 808, 909, 606 und 707 nebeneinander, bevor das Buch mit Sequential, E-mu, Korg, Yamaha, Alesis, Elektron und JoMoX schließt. Über 100 Maschinen tauchen über die acht Phasen hinweg auf, mehr als 65 davon ausführlich behandelt: Schaltkreise, Sounds und die Tracks, die sie berühmt gemacht haben.

Warum ist es wichtig, dass ausgerechnet Jeff Mills das Vorwort schreibt?

Ein Vorwort schreibt man leicht nebenbei. Bjooks hat das nicht getan. Jeff Mills gründete Underground Resistance in Detroit mit und baut seine Live-Sets seit fast vier Jahrzehnten genau um diese Art von Maschinen auf, die er nicht als Begleitspuren, sondern als Instrumente für Echtzeit-Improvisation behandelt. Seine Beteiligung, entstanden aus einem direkten Gespräch mit Freke statt aus einem lizenzierten Zitat, verleiht einem Buch, das sonst leicht als Sammler-Datenblatt hätte enden können, die Autorität eines aktiven Detroiter Techno-Pioniers. Das ist der Unterschied zwischen einem Katalog und einem Dokument darüber, was diese Maschinen für die Menschen bedeutet haben, die ganze Genres darauf aufgebaut haben.

Der Name von Jeff Mills auf dem Cover zeigt auch, an wen sich Bjooks richtet: nicht nur an Sammler, die eine TR-909 fürs Regal jagen, sondern an Produzenten und DJs, die die Geschichte der Maschinen kennen wollen, die sie ohnehin schon benutzen.