Warum ändert ein so techno-lastiges Line-up den Blick auf DC?
Das Washingtoner Kapitel von Boiler Room neigte bisher stark zu Bass, Trap und Rap, mit markanten Sets von Namen wie Troyboi und Black Rave Culture. Das Line-up vom 12. September drehte das um. Boys Noize headlinete vor Bambounou, COBRAH, Daria Kolosova, DJ Gigola und Mietze Conte, eine Namensliste, die eher nach einem europäischen Club- und Techno-Line-up klingt als nach einer Hip-Hop-Nacht. Einlass um 15 Uhr, Tickets ab 59,99 Dollar, Event verteilt auf den 12. und 13. September.
Baut sich DC wirklich einen Techno-Circuit auf?
Dies ist das zweite Boiler Room Wochenende in Folge in DC, und diese Kontinuität zählt mehr als jedes einzelne Line-up. Die Ausgabe im September 2025 war so schnell ausverkauft, dass Boiler Room einen zweiten Termin hinzufügte, Samstag und Sonntag direkt hintereinander. Laut der eigenen Zusammenfassung der Plattform kommt die Buchung für 2026 „im Anschluss an das ausverkaufte Wochenende des letzten Jahres“. Zählt man die Termine von 2022, 2023 und 2024 aus Boiler Rooms eigenem Archiv dazu, hatte die US-Hauptstadt faktisch jedes Jahr seit 2022 eine Session, eine längere aktive Serie als die meisten Stationen der Plattform außerhalb von New York, Los Angeles und Berlin. Für Booking-Agenturen und Veranstalter, die verfolgen, wo sich Underground-Techno-Nachfrage tatsächlich in verkaufte Tickets übersetzt, ist genau diese Regelmäßigkeit das entscheidende Signal, nicht der jeweilige Headliner.
"Im Anschluss an das ausverkaufte Wochenende des letzten Jahres kommen wir diesen September mit etwas Riesigem zurück in die Hauptstadt."
Wer stand sonst noch auf dem Line-up?
Bambounou ist Jeremy Guindo, der Pariser Produzent, den Modeselektor für ihr Label 50Weapons unter Vertrag nahm, für das er zwei Alben veröffentlichte, bevor er sein eigenes Label Bambe gründete. COBRAH ist Clara Christensen, die Stockholmer Künstlerin hinter dem, was sie selbst „BDSM-Pop“ nennt: Hyperpop, Techno und Vogue-Ballroom-Energie, verdichtet zu tanzflächentauglichen Tracks, eine Kombination, die auf Techno-Line-ups wie diesem zunehmend üblich ist. Daria Kolosova, ukrainische DJ mit Wohnsitz Berlin, ist bekannt für harte, schnelle Sets, die Techno mit Breakbeat und Electro mischen, Stammgast im Berghain, im Bassiani und im Fabric. DJ Gigola, bürgerlich Paulina Schulz, ist eine gebürtige Berlinerin und Mitglied des Kollektivs Live From Earth, deren Sound zwischen Techno, Pop und experimentellem Club wandert. Ein Line-up für ein Publikum, das das Genre bereits kennt, nicht eines, das es entdecken soll.



