Was ist an Chicagos Seeufer wirklich passiert?

Das erste Lakeshore Arts and Music Festival zog am Wochenende des 19. und 20. Juni an Chicagos Seeufer auf, eine ganztägige Open-Air-Elektro-Party im Lincoln Park am North Pond. Das Programm lief an beiden Tagen von 14 bis 22 Uhr, angeführt vom britischen Produzenten Elderbrook und mit über 50 Chicagoer DJs und Produzenten auf mehreren Bühnen. In der Stadt, die House erfunden hat, hätte sich ein ganztägiges Tanzfestival am See wie eine Heimkehr anfühlen müssen. Stattdessen wurde ein Genehmigungsstreit daraus.

Die Menschen rund um den North Pond erzählten Block Club Chicago, der Bass sei acht Stunden am Tag durch ihre Wohnungen gerollt, zwei Tage am Stück, und der Park sei voller Müll zurückgeblieben, als die Menge weg war.

Warum verspricht ein Stadtrat ein Verbot?

Timmy Knudsen, der Stadtrat des 43. Bezirks, ging in die Offensive: Er schwor, große Musikfestivals aus seinem Bezirk herauszuhalten, nachdem sich die Beschwerden gehäuft hatten. Der Haken ist, dass er dieses hier allein gar nicht hätte stoppen können. Knudsen stellte klar, sein Büro habe das Festival nicht genehmigt und habe über die Genehmigungen nicht die letzte Entscheidungsgewalt. Die lag beim städtischen Department of Cultural Affairs and Special Events, beim Chicago Park District und, wie er sagt, bei weiteren zuständigen Stellen.

Von dem Moment an, als wir von dem Vorhaben erfuhren, haben wir der Stadt gegenüber unsere Bedenken zu Lärm, Sicherheit, Verkehr und Standort geäußert und eine frühere Version direkt neben dem North Pond erfolgreich verhindert, sagte Knudsen zu Block Club Chicago.

Das Verbot ist also in Wahrheit das Versprechen, um die nächste Genehmigung zu kämpfen, keine Macht, die er schon hat. Aber ein Politiker, der das Rathaus bedrängt, um Tanzmusik vom Seeufer fernzuhalten, ist genau der Weg, auf dem ein schlechtes Wochenende zur Regel wird.

Geht es um Lärm oder darum, wem die Parks der Stadt gehören?

Nimmt man die Empörung weg, bleiben zwei echte Beschwerden: Acht Stunden Bass am Tag sind viel, wenn man daneben wohnt, und ein vermüllter Park ist ein guter Grund, sauer zu sein. Nichts davon ist ein reines House-Problem, und nichts davon ist unlösbar. Dezibelgrenzen, klüger von den Wohnhäusern weg ausgerichtete Bühnen, ein früheres Ende, eine Kaution für die Reinigung: Veranstalter machen das in Städten überall auf der Welt.

Die unbequemere Lesart ist die, in die Tanzmusik immer wieder läuft. Parks und Seeufer grenzen an die teuersten Immobilien der Stadt, wer dort einzieht, erwartet Stille, und der Kultur, die zuerst da war, wird gesagt, sie solle leiser machen oder gehen. Ausgerechnet Chicago kennt diese Geschichte. Es ist die Stadt, die der Welt House geschenkt hat, und sie debattiert nun, ob ein achtstündiges Elektro-Festival eine Störung ist, die man per Bebauungsrecht wegräumt.