Worum geht es bei „Children of the Revolution“ wirklich?
Der neue Track von Heidi Lawden und FLABBERGAST beginnt wie eine Ansage: Komm und finde deine Leute, oder komm gar nicht. Veröffentlicht am 4. September auf dem Berliner Label DESSERT Records, versteht sich „Children of the Revolution“ unverblümt als Protestmusik für die Tanzfläche. FLABBERGAST schrieb und singt den Text; Lawden koproduzierte den Track mit Hein Hoven und formte zusätzlich eine zweite Version, den „Power Bottom Mix“, düsterer und industrieller im Klang.
Die Politik steckt hier nicht im Subtext. FLABBERGAST sagte der Los Angeles Blade, diese „Revolution“ bedeute im Kontext des Songs, „alle Menschen zu befreien, die unterdrückt werden, insbesondere trans und queere Menschen. Wir sind nicht frei, und dieser Song soll daran erinnern.“ Lawden bringt es nüchterner auf den Punkt: Der Track sei „ein Aufruf, sich zu versammeln, zu protestieren, sich zu widersetzen und Widerstand zu leisten“.
„Wir sind nicht frei, und dieser Song soll daran erinnern.“, FLABBERGAST
Woher kommt dieser Track?
Heidi Lawden und FLABBERGAST (Zane Pond) lernten sich auf den queeren Underground-Tanzflächen von Los Angeles kennen. Lawden gründete Take It Outside mit, eines der queeren Partykollektive der Stadt; Pond gründete VICE Underground mit, die Warehouse-Party-Crew, deren Raum er als „einen Ort beschreibt, der um Gemeinschaft, Verbindung und Selbstausdruck herum gedacht ist, nicht um Exklusivität“ und der den Track direkt inspirierte.
Der Song wurde auf der Straße getestet, bevor er überhaupt aufgenommen wurde. Am 4. Juli 2025, inmitten von Razzien der Einwanderungsbehörde ICE in Los Angeles, organisierte das Duo eine Kunstinstallation und Protest-Rave auf dem Arroyo Seco Walkway nahe dem Dodger Stadium: Lokale Künstler bedeckten die Brücke mit antifaschistischen Botschaften, während die beiden live eine frühe Version des Tracks spielten.
Warum auf einem Berliner Label?
DESSERT, das Label hinter der Veröffentlichung, entstand aus der Nightlife Series, der langjährigen Eventreihe des Promoters Tom Peters, und hat seinen Katalog rund um queere Clubkultur aufgebaut, zwischen House, Disco-Edits und roheren experimentellen Produktionen. Für Lawden und FLABBERGAST rückt das einen explizit amerikanischen Protesttrack aus der ICE-Ära in eine europäische queere Clubtradition, die ebenfalls eine lange Geschichte hat, den Club als politischen Raum zu behandeln, nicht nur als Fluchtpunkt.
Lawden macht das schon lange. Sie moderiert die monatliche Sendung Magic Roundabout bei dublab und legt international auf; für sie ist Widerstand kein nachträglich aufgesetztes Thema einer Karriere, sondern der Ausgangspunkt. Wie sie dem Blade sagte, war Nightlife „schon immer ein Akt des Widerstands“.



