Jahrzehntelang folgte das Berliner Clubmodell einer simplen Logik: günstiger oder freier Eintritt, das eigentliche Geld kam vom Tresen. Dieses Modell ist Geschichte. Die Clubcommission-Studie Club Culture Berlin 2026, veröffentlicht gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und am 12. August von DJ Mag aufgegriffen, zeigt: Nur noch 61 Prozent der Berliner Clubs arbeiten aktuell kostendeckend, 2017 waren es noch 79 Prozent.
Der Grund ist nicht weniger Publikum. Es ist das, was passiert, nachdem die Leute drin sind.
Warum ist das Geld vom Tresen zum Einlass gewandert?
2017 machten Essen und Getränke 60 Prozent des Umsatzes eines typischen Berliner Clubs aus, Eintritt nur 21 Prozent. 2026 haben sich diese Zahlen fast umgekehrt: Der Eintritt liefert inzwischen 59 Prozent des Umsatzes, der Tresen nur noch 20 Prozent. Der Alkoholkonsum auf der Tanzfläche ist um 73 Prozent gesunken, obwohl 67 Prozent der Clubs die Getränkepreise und 47 Prozent die Eintrittspreise erhöht haben, um das auszugleichen. Die Leute kommen weiterhin. Sie trinken nur noch einen Bruchteil von früher und zahlen dafür mehr an der Tür.
Das ist kein saisonaler Ausrutscher, den ein guter Sommer wieder ausgleicht. Es ist eine strukturelle Neuschreibung der Wirtschaftlichkeit, die Berlins Ruf als zugängliche Techno-Hauptstadt mit niedriger Einstiegshürde überhaupt erst begründet hat. Ein Club, der früher mit 10 Euro Eintritt und vollem Tresen kostendeckend arbeitete, muss heute Gehälter, Miete und Strom allein über diesen Eintritt stemmen, weil der Tresen kaum noch trägt.
"Die Nachfrage ist hoch, die Tanzflächen sind voll, und trotzdem stehen einige Betriebe unter finanziellem Druck", sagte Michael Biel, Staatssekretär für Wirtschaft in der Berliner Senatsverwaltung.
Wen trifft der Druck jetzt am härtesten?
Die Aufschlüsselung nach Clubgröße zeigt, wo sich das Problem konzentriert. 45 Prozent der Berliner Clubs erwirtschaften inzwischen weniger als 100.000 Euro Jahresumsatz, 2017 waren es 16 Prozent, während nur 7 Prozent über 2 Millionen Euro liegen. Die Mitte dünnt aus: kleine und mittlere Locations, die steigende Personal- und Betriebskosten nicht wie ein großer Club auf ein breiteres Budget verteilen können, sind es, die von der Kostendeckung ins Minus rutschen.
Für die Clubs heißt das: höhere Eintrittspreise sind kein vorübergehender Anstieg mehr, sondern der neue Boden, weil kein Tresenpolster mehr bleibt, um einen schwachen Monat aufzufangen. Für das Publikum verschwindet damit leise das Modell aus günstigem Eintritt und billigen Drinks, das so viele Menschen nach Berlin gezogen hat, zugunsten einer Logik, wie man sie eher aus anderen europäischen Szenen kennt, in denen alles an der Tür hängt. Für die Stadt ist es ein Warnsignal für ein Kulturmerkmal, an dessen Aufbau sie jahrelang gearbeitet hat: Die Tanzflächen sind so voll wie eh und je, die Betriebe dahinter aber nicht.
Was treibt die Kosten wirklich hoch?
Die Clubcommission-Studie nennt auch steigende Personal- und Betriebskosten als zweite Hälfte der Gleichung, nicht nur sinkende Tresenumsätze. Sicherheit, technisches Personal und Energie sind seit 2017 alle teurer geworden, und diese Kosten sinken auch bei ausverkauftem Haus nicht. Kombiniert mit einer Tanzfläche, die weniger trinkt, bleibt den Clubs nur noch ein Hebel: der Eintrittspreis.



