Wie wurde aus einem Strandtreffen mit 50 Leuten ein 20-Stunden-Festival?
Alles hier stammt aus einem einzigen Interview: dem, das Dayo Adeleye ThisDay Live gab, veröffentlicht am 20. Juni 2026, wenige Tage vor der V6-Ausgabe seiner V Series. Das sollte man klar benennen, statt es als unabhängig geprüften Bericht zu verkaufen: Es ist Adeleye selbst, Gründer der Lagos-Plattform Group Collective, der das Wachstum seines eigenen Projekts in eigenen Worten schildert. Für eine Geschichte über den Aufbau einer Szene ist das eine solide Quelle, keine Schwäche.
Laut seiner Darstellung zog die V1 rund 50 Leute an. Weniger als zwei Jahre später versammelt die V6 rund 200 Besucher am The Country Beach am 27. Juni, 20 Stunden am Stück, mit 23 lokalen Underground-DJs, die sich die Sets teilen. Von einem privaten Strandausflug zu einer vollständigen Tagesproduktion in weniger als zwei Jahren, das ist die Art von Sprung, die normalerweise mit externem Kapital oder einer Booking-Agentur im Rücken kommt. Adeleyes Version, wie sie ThisDay Live wiedergibt, ist langsamer gewachsen: Mundpropaganda, ein wiederkehrendes Publikum und ein Line-up aus dem eigenen lokalen Underground-Talentpool statt eingeflogener Headliner.
Wie klingt die Musik über 20 Stunden tatsächlich?
Adeleye beschreibt den Tag eher als Reise denn als festes Genre-Raster: Er beginnt mit jazzig eingefärbtem House, setzt sich im Mittelteil in tieferen Grooves und Afrohouse fest und kippt dann mit fortschreitenden Stunden in hochenergetischen Gqom und Afrotech. Ein Bogen, der es wert ist, bemerkt zu werden, für alle, die Afrohouse noch als einen einzigen Sound behandeln: Die V6-Programmierung selbst behandelt es als Mittelpunkt eines Spektrums, das von Jazz bis Gqom reicht, alles unter einem Dach und vor demselben Publikum.
"Die Leute entdecken neue Sounds, neue Einflüsse, neue Arten, Musik zu erleben."
Die V6-Ausgabe bringt zudem eine visuelle Ebene mit ein, eine Ausstellung des nigerianischen Bildhauers Yusuff Aina parallel zu den Sets, laut demselben Interview: ein Zeichen, dass Group Collective die V Series inzwischen als Kulturevent positioniert, nicht nur als Rave.
Kann sich ein 23-DJ-Marathon noch underground nennen?
Genau hier liegt die eigentliche Spannung in Adeleyes eigener Darstellung. Der Grundsatz von Group Collective lautet laut ThisDay Live 'etwas für uns bauen, von uns selbst', und Adeleye sagt unumwunden, dass elektronische Musik und Afrobeats in Lagos keine Rivalen sind: Sie teilen sich dasselbe Publikum und dieselbe Stadt. Aber eine Produktion mit 200 Leuten, 20 Stunden und 23 DJs ist in der Praxis ein deutlich anderes Unterfangen als ein Treffen von 50 Leuten am Strand, egal welche Absicht dahintersteckt. Wachstum bedeutet mehr Logistik, mehr zirkulierendes Geld, mehr Druck, Namen zu buchen, die reisen, statt Namen, die einfach gut sind. Adeleyes Wette, so wie er sie beschreibt, ist, dass lokales Booking und eine intakte Haltung es der V Series erlauben, in der Größe zu wachsen, ohne die Branchenmechanismen zu importieren (die Jagd nach Headlinern, gestaffelte Tickets rund um einen Star-Namen), die die Identität einer Szene meist einebnen, sobald externes Geld und externe Erwartungen ins Spiel kommen.
Ob das bis zur V10 oder V20 trägt, kann weder das Interview mit ThisDay Live noch wir von hier aus beantworten. Was aus Adeleyes eigener Darstellung klar hervorgeht, ist die Richtung: eine Plattform, die gewachsen ist, indem sie denen gegenüber verantwortlich blieb, die schon bei der V1 dabei waren, statt den schnellsten Weg zu einer größeren Bühne zu suchen.



