Was macht AUTO/PILOT wirklich anders?

Rekordbox und Traktor bauen weiterhin auf der klassischen Club-DJ-Grundannahme auf: zwei (oder vier) Player, ein Mixer, ein Sync-Knopf, Cue-Punkte. AUTO/PILOT wirft dieses Layout über Bord. Die Software gliedert sich in vier Modi: Perform für das Live-Set, Edit für die Konfiguration, Catalog für die Bibliotheksverwaltung und Arrange, eine echte Timeline, in der ein Set genauso sequenziert und bearbeitet wird wie ein Track in einer DAW arrangiert wird. Native Effekte, sample-genaue Waveform-Bearbeitung und ein tiefes MIDI/OSC-Routing runden das Ganze ab, gedacht für DJs, die an die Grenzen dessen gestoßen sind, was ein gemappter Controller in Rekordbox oder Traktor leisten kann.

Wer steckt wirklich dahinter, und warum zählt das Renommee?

deadmau5 hat das nicht allein gebaut. Steve Duda, der Produzent hinter Serum bei Xfer Records, schrieb die Beat-Grid- und BPM-Erkennung, die die Timeline überhaupt nutzbar macht; deadmau5s Team gibt an, dass die Trackanalyse Sekunden dauert. Das ist eine andere Art von Glaubwürdigkeit als eine Hardware-Marke, die einen neuen Mixer herausbringt: Hier wendet ein Synth-Plugin-Entwickler seine Signalanalyse-Expertise auf ein DJ-Problem an. AUTO/PILOT ist auch kein Erstversuch. Es baut auf OSC/PILOT auf, dem MIDI- und OSC-Controller, den deadmau5 gebaut und privat auf seinen eigenen Touren genutzt hatte, bevor er ihn anderen Performern öffnete; AUTO/PILOT ist die Softwareschicht auf derselben Grundlage, verkauft im selben Shop.

Ist eine DAW-Timeline wirklich das, was arbeitende DJs wollen?

Hier beginnt die Debatte. Gearnews formuliert es deutlich: DJ-Software sei "seit einem Jahrzehnt weitgehend statisch" geblieben, wobei Pioneer, Native Instruments und Denon vor allem um Hardware-Integration konkurrieren, nicht darum, was ein Performer innerhalb eines Sets wirklich tun kann. AUTO/PILOT wettet darauf, dass DJs DAW-Niveau-Kontrolle hinter dem Pult wollen. Nicht alle sind überzeugt. Im Forum der Engine-DJ-Community argumentierte ein Nutzer, ein Tool für eine "auf Können und Performance basierende" Tätigkeit "Auto" zu nennen, könne negativ ankommen, und "Pilot" obendrauf lege nahe, die Software steuere das Set von selbst. Ein anderer stellte klar, der Name gehe auf deadmau5s früheres Projekt Testpilot zurück, nicht auf einen Seitenhieb gegen das Können von DJs, und ein dritter merkte an, die Timeline-Idee sei nicht neu: VirtualDJ hatte 2012 bereits einen ähnlichen "Timeline"-Modus, der später still eingestellt wurde.

"Eine auf Können und Performance basierende Tätigkeit 'Auto' zu nennen, und dann noch 'Pilot' dranzuhängen... das legt fast nahe, ein DJ werde nicht mehr gebraucht." - Ein Mitglied des Engine-DJ-Forums

Es bleibt eine Frage, die kein Beta-Screenshot beantworten kann: die Stabilität in einem echten vierstündigen Club-Set, und ob DJs bereit sind, einen Workflow, den sie bereits beherrschen, gegen einen einzutauschen, der ihnen vorab mehr abverlangt.