Was steckt wirklich in Sunset Circuits?

Das neue Instrument von Dusk Audio ist kein Synth, sondern sechs, hinter einer gemeinsamen Oberfläche vereint. Cosmos bedient das sechsstimmige Polysynth-Terrain der frühen 80er mit DCOs und BBD-Chorus. Oracle jagt den analogen Polysynth-Sound der späten 70er mit zwei Oszillatoren und selbstschwingendem Filter. Mono ist eine bissige monophone Engine für Bässe und Leads, mit Suboszillator, Ringmodulation und Hard Sync. Modular ist eine semimodulare Patchbucht mit eingebautem Federhall. Prism ist eine Vier-Operatoren-FM-Engine mit acht Algorithmen. Und dann ist da Acid: eine TB-303-artige Bassbox mit Dioden-Leiter-Filter und eigenem 16-Schritte-Pattern-Sequencer, laut den Release-Notes von Dusk Audio und der Berichterstattung von Synth Anatomy.

Genau diese letzte Engine ist die, die für jeden zählt, der House oder Techno macht. Die rollende, resonante Bassline der 303 hat ein ganzes Subgenre begründet, und Hardware-Klone oder Premium-Plugin-Nachbauten dieser Schaltung kosten in der Regel richtig Geld. Dusk Audio liefert eine, eingebettet in ein größeres Instrument, umsonst.

Warum zählt hier kostenlos UND Open Source wirklich?

Kostenlose Plugins sind nicht selten. Kostenlos UND Open Source schon: Sunset Circuits erscheint unter der GPLv3-Lizenz, mit dem kompletten Quellcode im öffentlichen GitHub-Repository von Dusk Audio. Das ist ein anderes Versprechen als eine abgespeckte Version, die eine Firma verschenkt, um E-Mail-Adressen zu sammeln. Ein GPLv3-Projekt kann von jedem geforkt, geprüft und am Leben gehalten werden, selbst wenn Dusk Audio die Weiterentwicklung morgen einstellen würde.

Für Produzenten ohne Studiobudget schließt diese Kombination, null Kosten, dauerhafte Verfügbarkeit, eine echte Acid-Engine, eine Lücke, die sonst gecrackte Software oder eine unbezahlbare gebrauchte TB-303 füllt. Es läuft unter Windows, macOS und Linux, als VST3, AU, CLAP und LV2, auf einem Linux-Laptop mit Bitwig genauso wie auf einem Mac mit Logic.

Was gibt es außer der Acid-Engine noch?

Sunset Circuits ist darauf ausgelegt, eine ganze Session abzudecken, nicht nur einen Sound. Cosmos und Oracle übernehmen Flächen und Stabs in zwei unterschiedlichen Vintage-Varianten. Mono und Prism decken Bässe und Leads außerhalb der Acid-Schiene ab. Modular ist die Option für alle, die ein Patch von Grund auf bauen wollen statt von einem Preset auszugehen. Alle sechs teilen sich eine Oberfläche und eine Modulationsmatrix mit acht Slots, dazu 54 Werkspresets und eine durchsuchbare Nutzerbibliothek zum Einstieg, das gesamte Plugin bei rund 300 KB.