Elektron hat die Monomachine und die Machinedrum vor Jahren eingestellt, gebrauchte Geräte werden für 1.500 bis 2.000 Dollar oder mehr gehandelt, sofern überhaupt welche auftauchen. Jetzt hat ein Fork des Open-Source-Projekts Gearmulator beide Maschinen in kostenlose VST3-Plugins verwandelt, herunterladbar auf GitHub. Auf den ersten Blick wirkt es, als wären die zwei begehrtesten Geräte der schwedischen Elektronik-Instrumentengeschichte gerade für jeden mit einer DAW verfügbar geworden.
Was hat Joe Landers tatsächlich gebaut?
Der Berliner Entwickler forkte Gearmulator, das Open-Source-Reverse-Engineering-Projekt von The Usual Suspects (TUS), und richtete es auf die zwei ikonischsten eingestellten Geräte von Elektron aus. Das Ergebnis läuft als VST3-Plugin und als Standalone-App unter macOS (nativ sowohl auf Apple Silicon als auch auf Intel) und unter Windows. Die Oberflächen bilden die Originale im Detail nach: Key Chording, Parameter Locks, Encoder-Klicks und die Zweitfunktionen, die diese Hardware berüchtigt komplex zu programmieren machten. SysEx-Dateiunterstützung ist mit dabei, ebenso die Möglichkeit, Host-Audio in die geräteeigenen Eingangseffekte und Sampling-Funktionen zu routen, und die VST3-Version bringt zusätzliches Multi-Output-Routing für weitere Ausgangspaare innerhalb einer Session.
Unter der Haube ist das weder eine Klangnachahmung noch eine samplebasierte Nachbildung. Der Emulator führt den originalen ROM-Code der Monomachine und der Machinedrum auf einem emulierten Motorola-DSP56303-Chip aus, genau der Prozessorarchitektur, auf der Elektron die Hardware ursprünglich aufgebaut hat. Das ist der ganze Kern des Gearmulator-Ansatzes: den Chip präzise genug emulieren, damit die originale Firmware unverändert im Rechner läuft.
Warum braucht man trotzdem die echte Hardware?
Hier liegt der Haken, der diese Geschichte deutlich von einem simplen Geschenk unterscheidet: Wer den originalen ROM-Code laufen lassen will, braucht dieses ROM. Landers' Projekt liefert keinerlei Elektron-Firmware mit und bietet keine Download-Links dafür. Um den Emulator legal und funktionsfähig zu nutzen, muss man bereits eine physische Monomachine oder Machinedrum besitzen und das ROM vom eigenen Gerät auslesen. Das ist Digitalisierung für Besitzer, kein kostenloser Ersatz für die Hardware selbst.
Das Projekt ist außerdem ausdrücklich als frühes Alpha-Stadium gekennzeichnet. Berichte beschreiben eine recht hohe CPU-Last, besonders auf älteren Systemen, auch wenn seit dem Start offenbar weitere Entwickler dazugestoßen sind, um bei der Optimierung zu helfen. Elektron selbst hat sich weder öffentlich geäußert noch Schritte gegen das Projekt unternommen; die Lizenzbedingungen der eigenen Software erlauben keine Veränderung oder Weiterverbreitung der Firmware, genau die Art von Grauzone, in der sich Reverse-Engineering-Projekte wie Gearmulator, oder davor DJ-Software-Emulatoren, seit Langem bewegen.
Der Emulator führt den originalen ROM-Code der Geräte auf einem emulierten Chip aus: Das ist Digitalisierung für Leute, die die Hardware bereits besitzen, kein kostenloser Ersatz dafür.
Warum das wichtig ist
Für Produzenten, die bereits eine Monomachine oder eine Machinedrum besitzen, ist das ein echtes Upgrade: der Sound und Workflow zweier der tiefsten, eigenwilligsten Maschinen, die Elektron je gebaut hat, endlich portabel in einer DAW-Session statt an ein Rack gekettet. Für alle anderen ist es eine Erinnerung daran, dass eingestellte Hardware nicht aus der Kultur verschwindet, nur weil sie nicht mehr produziert wird, sie wandert in den Untergrund, in genau solche Projekte.
Was wir davon halten
Die ROM-Pflicht ist der clevere Teil dieses Projekts, keine Einschränkung, die man umgehen sollte. Sie hält Landers' Arbeit auf der richtigen Seite einer Linie, die etliche Reverse-Engineering-Vorhaben schon unbedacht überschritten haben, und liefert trotzdem echten Mehrwert für alle, die die Hardware tatsächlich bezahlt haben. Wenn Elektron auch nur ein bisschen Gespür hat, sollte man das als kostenlose Werbung für Geräte begreifen, die man vor Jahren aus dem Support genommen hat, nicht als Bedrohung, die man bekämpfen muss.
Wo fügt sich das in die breitere Reverse-Engineering-Szene ein?
Gearmulator steht in derselben Tradition wie Tools wie dysentery oder beat-link, Community-Projekte, die proprietäre Hardware-Protokolle reverse-engineeren, damit Musiker eigene Workflows um Geräte herum bauen können, die der Hersteller zurückgelassen hat. Elektrons eigener Legacy-Support für die Monomachine und die Machinedrum endete vor Jahren; dieses Projekt füllt genau die Lücke, wenn ein Hersteller weiterzieht, seine Nutzer aber nicht.



