Optimo war es nie wichtig, aus welchem Genre eine Platte kam. Keith McIvor und Jonnie Wilkes führten ihren Sonntagabend im Sub Club in Glasgow dreizehn Jahre lang nach einer einzigen Regel: Wenn es den Floor bewegte, lief es, egal ob Chicago House, EBM, No Wave, Disco oder reiner Lärm. Kein Snobismus, keine Residenz-Politik, nur ein überfüllter Keller, der Genre wie ein Detail behandelte. McIvor, von allen nur JD Twitch genannt, starb am 19. September 2025 im Alter von 57 Jahren nach der Diagnose eines inoperablen Hirntumors. Er ist jemand, dem die britische Clubkultur tatsächlich etwas verdankt.
Hot Chip kannte ihn gut, schon lange. Joe Goddard und Alexis Taylor lernten McIvor vor zwanzig Jahren im Sub Club kennen, und diese Beziehung bildet jetzt den Kern von "Random Violence", der ersten Single aus dem neunten Album der Band, "A Long Way From Kansas", das am 8. Januar 2027 bei Domino Recordings erscheint.
Warum einen Popsong über den Tod eines DJs schreiben?
Weil McIvors ganze Karriere der Beweis war, dass der Underground keine Erlaubnis braucht, um etwas zu bedeuten. Goddard hat gesagt, der Text beziehe sich direkt auf McIvors Tod und auf Erinnerungen der Band an den Sub Club, und der Song stelle bewusst wahllose Gewalt gegen kleine Akte der Güte, genau die Spannung, von der McIvors Sets lebten: hart und sanft, aggressiv und großzügig, hintereinander, ohne Erklärung. Das ist keine aus der Distanz geschriebene Hommage. Eine Band benennt den Raum, das Jahrzehnt und die Person, auf einer Majorlabel-Platte.
Der Text bezieht sich direkt auf seinen Tod und auf Erinnerungen daran, im Sub Club in Glasgow zu sein, wo wir ihn vor 20 Jahren kennenlernten.
Was beweist der Auftritt im Sub Club wirklich?
Dass die Hommage nicht beim Text aufhört. Am 21. Oktober 2026 spielt Hot Chip im Sub Club selbst, genau dem Raum, in dem Keith McIvor und Wilkes zwischen 1997 und 2010 ihren Sonntagabend aufbauten, bevor Optimo Espacios wöchentliche Residenz dort endete. Viele Bands zitieren eine Szene, die sie aus sicherer Entfernung bewundern. Wenige buchen den echten Club und stehen auf der echten Bühne, auf der diese Geschichte passierte, vor den Leuten, die dabei waren. Der Rest des Albums neigt zum Orchestralen, mit Streichern und Gästen wie Beth Ditto und Eddie Chacon, die das umrahmen, was die Band als "harte Weltzustände" beschreibt, aber der Sub-Club-Termin ist der Teil, der sich nicht fälschen lässt: Die Optimo-Diaspora kommt zusammen, um in dem Raum zu trauern und zu feiern, der sie geformt hat.
Warum das wichtig ist
McIvor verbrachte drei Jahrzehnte damit zu beweisen, dass eine Sonntagsresidenz ohne kommerziellen Ehrgeiz trotzdem prägen konnte, wie eine ganze DJ-Generation das Mischen von Genres ohne Entschuldigung denkt. Dass eine kommerziell so sichtbare Band wie Hot Chip eine Single und einen Live-Termin auf dieses Erbe zentriert, bringt Optimos Verweigerung von Kompromissen vor ein viel größeres Publikum als jenes, das je im Sub Club stand.
Was wir denken
Das ist die richtige Art von Hommage, konkret statt vage. Den Raum zu benennen, das Jahr des Kennenlernens, die genaue Spannung in McIvors DJing sagt mehr darüber aus, was Optimo wirklich bedeutete, als tausend generische "Ruhe in Frieden"-Posts.



